Ich bin nicht kreativ. Ich bin lösungsorientiert!

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Wenn wir über das Wort Essen sprechen, wissen wir alle, was es bedeutet. Unter Umständen läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen und wir denken an unser Lieblingsgericht oder an den würzigen Geschmack einer Spaghetti-Sauce. Im Gegenzug gibt es Wörter, die zwar oft benutzt werden, jedoch in ihrer Bedeutung unklarer sind. So beispielsweise mit Kreativität. Woran denkst du, wenn du dieses Wort hörst?

Kreativität ist eines dieser Wörter, welches mich bereits mein ganzes Leben lang begleitet. Wenn ich dieses Wort benutze, ist die Reaktion darauf jedes Mal eine andere. Einige halten wenig von diesem Wort, andere haben nur Fragezeichen im Gesicht und wieder andere ein Lächeln auf den Lippen. Keine einfache Sache also, vor allem als ich früher meine Kreativ-Workshops verkaufen wollte. Es war eine Lotterie, ob jemand davon begeistert war oder eben nicht. Ausschlaggebend war, was diese Person unter dem Wort Kreativität abgespeichert hatte. Mit der Zeit wurde mir das zu bunt und ich beschloss, mich näher mit dem Wort und dessen Bedeutung auseinanderzusetzen.

Die vielen Gesichter der Kreativität

Aufschlussreich sind immer Recherchen, so auch über die Kreativität. Doch…statt einer klaren Definition, findet man 1000 verschiedene Interpretationen dazu. Diese gehen von «Kreativität ist die Fähigkeit, etwas Neues zu schaffen» (Barron, 1965), bis zur simplen Duden-Definition «schöpferische Kraft, kreatives Vermögen» oder anders ausgedrückt, Kreativität sei die Eigenschaft eines Menschen, schöpferisch oder gestalterisch tätig zu sein. Heute – gerade auch im Zusammenhang mit der Arbeitswelt – wird Kreativität neu bewertet. Diese Neubewertung entfernt sich von der «schöpferischen Freiheit» und definiert sich neu als kreativer Leistungszwang (Goethe-Institut, 2013). Es erstaunt deshalb kaum, fürchten sich so viele Menschen vor der Kreativität. Wer kann schon allen Arten der Kreativität gerecht werden und sie unter einen Hut bringen? Heutzutage muss man überall kreativ sein: beim Kochen, Backen, Musizieren, Gärtnern, Basteln, Malen, usw. Kein Wunder ist dieses Wort nicht nur positiv behaftet, bei all dem Druck, der sich dahinter verbirgt.

Ich, die Kreative

Seit Jahren sagt mir mein Umfeld, ich sei ein kreativer Mensch. Oft noch, bevor mich die Menschen näher kennenlernen oder ich mit ihnen gearbeitet habe. Immer schwingt dabei eine gewisse Erwartungshaltung mit, dass ich schnurstracks eine völlig flippige und aussergewöhnliche Idee einbringen soll. Sicherlich, meine pinken Haare, meine bunten Outfits und die pinken Autos tragen zu dieser Wahrnehmung bei. Dazu kommt, dass es in meinem Geschäft oder bei mir zu Hause eher wie in einem Spielwarenladen oder Museum ausschaut. Es kommt deshalb nicht selten vor, dass fremde Leute beim Durchlaufen einfach so reinplatzen; quasi im Glauben, mein Geschäft sei eben öffentlich zugänglich.

In meinem beruflichen Alltag bin ich aber vor allem eines: sehr pragmatisch und lösungsorientiert. Wenn ich meine Kund*innen in Sachen Kommunikation berate und begleite, geht es mir immer um eine Lösung, die implementierbar ist und schlussendlich von allen Mitarbeitenden getragen und gelebt werden kann. Es gehört klar zu meinen Stärken, solche Lösungen zu finden. Diese sind aber meist weder flippig noch ausgefallen.

Für die Lösungsfindung bediene ich mich der Inspiration und Spielerei, was mein pinkes Aussehen oder meine ausgefallenen Büroräumlichkeiten erklärt. Zudem ist das kreative Umfeld für mich ein Mittel zum Zweck, um auf Ideen zu kommen (mehr dazu im Beitrag Inspirationen sind Ideen-Booster). Ohne Inspirationen kämen mir nur bekannte Muster und Lösungen in den Sinn, weil der Mensch per se bequem ist, und weil neue Lösungsansätze zu generieren in der Regel anstrengend ist.

Nicht die Kreativität zeichnet mich aus

Was mich meiner Meinung nach als Lösungspartnerin für Strategie und Kommunikation auszeichnet, ist nicht meine Kreativität, sondern mein kreatives Denken. Darunter verstehe ich, dass ich die Fähigkeit besitze, mich jederzeit auf meine kreative Hirnhälfte zu fokussieren. Die kreative Hirnhälfte sorgt dafür, dass ich im Denken flexibel bin und auch in ungewohnten Situationen oder bei Krisen lösungsorientiert bleibe. Meine kreative Denkweise hilft mir auch dabei, mit Hilfe von Kombinationen und Verknüpfungen aus Bestehendem Neues zu erschaffen. All diese Eigenschaften sind in der heutigen Zeit wichtiger denn je und werden von Unternehmen je länger je mehr gefordert.

Das Paradoxe ist aber, dass weiterhin in jedem Stelleninserat steht: «Wir suchen eine kreative Person, die…». Das Unternehmen sucht aber in der Regel nicht eine Person, die sich ausgefallen kleidet oder musische oder malerische Fähigkeiten hat. Sondern gesucht wird eine Person, die aus jeder Ausgangslage die bestmögliche Lösung findet, selbständig handelt und im Kopf schnell umschalten kann. Zudem soll die gesuchte Person im Team arbeiten können, denn durch den Wissensaustausch und die gegenseitigen Inspirationen kommt ein Unternehmen weiter (vgl. Beitrag Gemeinsam einsam vs. better together). All diese Eigenschaften werden gesucht, wenn in einem Stelleninserat eine kreative Person beschrieben wird. Dabei ist doch vielmehr das kreative Denken gemeint.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema brachte mich dazu, dem Begriff Kreativität bewusst aus dem Weg zu gehen. Nun spreche ich gezielt vom kreativen Denken! Und anstatt Fragezeichen oder Abwehrhaltungen meines Gegenübers, sehe ich in dessen Gesicht nun immer Klarheit und Begeisterung.

Die Angst vor kreativen Menschen

Weshalb der Unterschied zwischen Kreativität und kreativem Denken so zentral ist, habe ich vor einigen Jahren gelernt, als ich einen CEO bei der Erstellung eines Stelleninserates beraten durfte. Als er den Titel «Kreative*r Mitarbeitende gesucht» las, verwarf er die Hände und sagte mir: «Auf keinen Fall noch mehr davon!» Er habe in seinem Unternehmen bereits genügend kreative Köpfe, die ungefragt jeden Tag neue Ideen auf den Tisch bringen. Individualisten, die man nur schwer führen kann. Er brauche Leute, die sich selbständig ums Daily-Business kümmern und dafür sorgten, dass der Absatz stimme. Er suche Personen, die eine gewisse Flexibilität mitbringen und auch mal über den Tellerrand blicken, um ein Problem zu lösen. Ich schaute ihn an und entgegnete: «Ach so… du suchst also eine Person, die kreativ denkt». Und da sah ich ein Lachen in seinem Gesicht.

Quellen:

Jäggi, S. (o. D.): Kreativität. https://web.archive.org/web/20090320062741/http://visor.unibe.ch/SS00/Bestseller/Folien/kreativitt%20internetversion.pdf [zit. 04.08.2020]

Goethe-Institut (2013): Kreativität wird zu einem Leistungszwang. https://www.goethe.de/de/kul/ges/20368887.html#:~:text=Ja%2C%20Kreativit%C3%A4t%20wird%20zu%20einem,der%20psychisch%20belastend%20sein%20kann. [zit. 04.08.2020]

Out of the box! Aber welche Box eigentlich?

Lesedauer: 4 Minuten

Auf der Suche nach neuen Ideen heisst es immer wieder «think outside of the box!»; «Du musst querdenken!» oder «Schau doch mal über den Tellerrand hinaus!». Das ist einfacher gesagt als getan. Oft ist man nach solchen Aussagen blockierter als vorher, da man sich zu fest darauf fokussiert, die Box unbedingt verlassen zu wollen. Doch welche Box ist eigentlich genau gemeint?

Denkt man an Out of the box, so erwartet man im gleichen Atemzug Resultate und Ideen, die vorher noch NIE da gewesen sind und Unmögliches plötzlich möglich machen sollen. Wir sprechen hier von Super-Ideen, die den Markt neu aufrollen (Disruptive Innovationen). Mit dieser Erwartung im Kopf geht man an eine Fragestellung heran, ist nun aber völlig blockiert. Bewusst nicht an das Bestehende denken zu wollen, bewirkt oft das Gegenteil. Dieses Phänomen kennen wir auch aus dem Spiel «Tabu», ein Ratespiel bei welchem ein «Etwas» umschrieben werden muss, ohne die Bezeichnung dafür zu nennen. Aber obwohl es verboten ist, kommt das gesuchte Wort oftmals trotzdem in der Umschreibung vor. Unser Unterbewusstsein arbeitet also gegen uns, wenn es darum geht, aus festgefahrenen Bahnen auszubrechen.

Beim Out-of-the-box-Denken geht es genau um dieses Ausbrechen und darum, bewährte Denkmuster auf der Seite zu lassen. Aber was ist eigentlich die Box genau? Es liegt auf der Hand, dass man nicht etwas verlassen kann, das man nicht kennt. Umgekehrt bedeutet dies, dass die Box zuerst beschrieben werden muss, bevor man aus ihr ausbrechen kann.

Beschreibe deine Box

Wer erfolgreich out of the box denken möchte, sollte sich zuerst Zeit nehmen, die Box zu beschreiben. Der Auftrag bzw. die Fragestellung müssen im Vorfeld ganz klar definiert werden. Je besser die Eckpunkte (Zielgruppe, Bedürfnisse, Produkteigenschaften, Preisstrategie, Marktumfeld, etc.) definiert sind, desto klarer kann man sich in einem zweiten Schritt davon entfernen.

Erfolgreiches Out-of-the-box-Denken zeichnet sich also durch eine intensive Vorbereitung aus. Dabei bewegt man sich wie in einer Excel-Tabelle und stellt Zahlen, Daten und Fakten zur Thematik zusammen. Das gibt im Vorfeld die nötige Sicherheit.

Out of the box: Vergiss die Fragestellung

Ist die Box definiert, ist man bereit diese zu verlassen. Nun geht es darum, frei zu denken und neue Ideen zu finden. Und zwar ohne jegliche Einwände und Einschränkungen. Ab jetzt ist alles möglich!

Der wichtigste Faktor, um out of the box zu gelangen, ist die Distanz zum eigentlichen Thema. Im Normalfall traut man sich nicht, weit genug vom Thema wegzugehen (auch wenn dies nur gedanklich passiert). Meistens aus Angst, zu keinem Resultat zu kommen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Angst unbegründet ist, sofern, wie oben beschrieben, eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema stattgefunden hat.

Nehmen wir als Beispiel eine Fragestellung eines Automobilherstellers, der Ideen für ein neues Auto sucht. Die naheliegendste Frage «Wie soll unser neues Auto sein, welches wir auf den Markt bringen?» wird erst gar nicht gestellt. Im Gegenteil. Die Gedanken sollen mit Fragen angeregt werden, die mit der Grundthematik nur sehr entfernt etwas zu tun haben:

  • Welche Eigenschaften muss eine Waschmaschine der Zukunft haben?
  • Welche Bedürfnisse hat meine Zielgruppe in Bezug auf ein Fahrrad?
  • Was nervt mich an den bisherigen Automodellen?
  • Wie könnte unser Unternehmen in einer Welt ohne Autos ihr Know-how anders nutzen?
  • Welche Eigenheiten machen die Nussgipfel der Dorfbäckerei zu einem Verkaufsschlager?

Je weiter man sich vom Thema entfernt, desto freier werden die Gedanken. Ohne Vorurteile entstehen neue Ideen. So wie Kinder an ein Thema herangehen, wird unbeschwert Neues ausprobiert und geschaffen. Kinder haben keine Muster im Kopf abgespeichert, welche Ideen zerstören, bevor sie überhaupt ausgesprochen wurden. Auf diese Weise kommen Gedanken wie zum Beispiel, dass die Produktion sowieso zu teuer sein werde oder dass zu wenig Know-how vorhanden sei, um eine Idee zu implementieren, gar nicht auf. Wie bei Kindern wird die Vernunft ausgeblendet und einfach ausprobiert. Dies hat den Effekt, dass das kreative Denken angeregt wird. Durch die Ablenkung erreichen wir den kreativen Flow und es entstehen die ungewöhnlichsten Ideen.

Geh zurück in die Box

Wer nun denkt, dies sei doch nicht zielführend und effizient, irrt sich gewaltig. Es ist völlig klar, dass in diesem Fall Ideen für ein neues Auto und nicht Ideen für einen Nussgipfel als Verkaufsschlager gesucht werden. Der nächste Schritt ist also der Schritt zurück zur eigentlichen Fragestellung. Dieser Weg zurück in die Box ist viel einfacher, als der Weg aus der Box raus.

Die erarbeiteten ungewöhnlichen Ideen müssen nun wieder mit dem eigentlichen Thema verbunden, also in die erwähnte Excel-Tabelle eingearbeitet werden. Durch die Kombination unzähliger Ideen in Verbindung mit dem bestehenden Know-how entstehen nun ganz neue, unerwartete Ansätze.

Konkret würde dies im oben erwähnten Beispiel folgendes bedeuten: «Welche Eigenschaften des Nussgipfels als Verkaufsschlager können wir nun auf das neue Auto übertragen und wie machen wir das?» Und wenn man schlussendlich ein Auto verkauft, welches durch seinen Duft den Käufer*innen dasselbe wohlige Gefühl gibt, wie wenn sie in einen Nussgipfel beissen, hat man das Ziel erreicht.

Der Weg dazu heisst kurz und bündig: Gehe out of the box und zurück!

Definition Out of the Box
Der Ausdruck out of the box beschreibt eine unkonventionelle Denkweise, die sich durch kreatives Denken auszeichnet. Mit Hilfe dieser Denkweise schaut man über den Tellerrand hinaus und hinterfragt bekannte Kriterien und Muster.

Quellen:

https://felixthoennessen.de/querdenken-warum-thinking-outside-box-falsch-ist/

https://www.onpulson.de/lexikon/out-of-the-box-denken/

Round and round we go – 360° Kommunikation

Lesedauer: 4 Minuten

Wir Menschen kommunizieren ständig, auch wenn wir das eigentlich gar nicht wollen. Wenn wir es tun, können wir aber zu einem grossen Teil selbst bestimmen, was wir wie kommunizieren. Dasselbe gilt für Unternehmen. Diese entwickelten in den letzten Jahren immer mehr ein Bewusstsein dafür, wie wichtig eine kohärente Kommunikation ist. So ist auch der Ansatz der 360° Kommunikation entstanden.

Kommunikation in allen Formen und Farben

Reden, schreien, flüstern, schweigen – all das ist Kommunikation, aber Kommunikation ist noch viel mehr! Gehen wir nun einen Schritt zurück und schauen uns an, was Kommunikation überhaupt ist: Unter Kommunikation ist nämlich der Prozess der Bedeutungsvermittlung zu verstehen, der sich zwischen zwei oder auch mehreren Lebewesen abspielt. Durch den Begriff «Vermittlung» wird bereits klar, dass der Austausch immer über eine Instanz, also ein Medium, stattfindet. Dieses Medium kann vielfältige Gestalten annehmen, dazu gehören beispielsweise Gestik, Mimik, Rauchzeichen, Telefon, Film und noch viele mehr. Der Austausch ist aber keineswegs statischer Natur; bereits das blosse Verhalten zweier oder mehrerer Lebewesen aufeinander gilt als Kommunikation. Deshalb ist, wie ganz am Anfang dieses Absatzes erwähnt, Schweigen auch eine Form der Kommunikation.

Übrigens: Erfolgreich wird dann kommuniziert, wenn die Verständigung zwischen Sender*in und Rezipient*in glückt. Das heisst, ein*e Sender*in vollzieht eine kommunikative Handlung, z. B. durch das Ansprechen der anderen Person (= Rezipient*in). Diese wiederum begeht im selben Augenblick ebenfalls eine kommunikative Handlung, nämlich indem sie zuhört und versucht, die gesendete Nachricht zu entschlüsseln.

Wir verstehen nun, was zwischen einzelnen Personen geschieht, wenn sie untereinander kommunizieren. Nun sehen wir uns genauer an, wie es sich bei Unternehmen verhält und was das mit den 360° zu tun hat.

Rundum Kommunikation

Unternehmen wollen und müssen verstärkt ein Augenmerk darauf legen, wie und in welcher Form sie mit wem kommunizieren. Das betrifft sowohl alle internen (Mitarbeitende) als auch externen Personen (Kund*innen, Medien, Investor*innen usw.), die das Unternehmen anspricht. Um dieser doch nicht ganz einfachen Aufgabe Herr zu werden, gibt es den Ansatz der 360° Kommunikation oder auch der integrierten Kommunikation:

Bei diesem Ansatz geht es darum, dass sämtliche Kommunikationsaktivitäten eines Unternehmens strategisch geplant und koordiniert konzipiert sowie realisiert werden. Die Integration der Aktivitäten findet dabei auf vier verschiedenen Ebenen statt:

Zeitlich

Alle Aktivitäten müssen zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Dazu führt man am besten eine Jahresplanung, welche man kontinuierlich aktualisiert und weiterentwickelt.
Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen führt einen Redaktionsplan, in dem alle Aktivitäten sämtlicher Social-Media-Kanäle festgehalten werden.

Inhaltlich

Für jede Zielgruppe die passende Botschaft. Diese Botschaften sind klar festzulegen und auf die unterschiedlichen Kommunikationsinstrumente und -mittel zu übertragen. Dabei dürfen keine inhaltlichen Widersprüche entstehen.
Beispiel aus der Praxis: Dieselbe Botschaft muss immer wieder neu verpackt und auf die Zielgruppe sowie die Eigenheiten des Kanals angepasst werden. Konkret heisst das, dass ein Unternehmen jeweils kanalspezifische Texte, Bilder usw. aufbereiten muss.

Formal

Ein einheitliches Erscheinungsbild (gemäss Corporate Design) muss gewährleistet werden, auch wenn für jede Zielgruppe und für jeden Kanal unterschiedliche Botschaften geplant werden.
Beispiel aus der Praxis: Alle Publikationen eines Unternehmens müssen diesem eindeutig zugeordnet werden können. Dieser Wiedererkennungseffekt kann anhand des Logos, einer bestimmten Farbe, besonderen Elementen oder einem Bild passieren.

Sprachlich

Die Corporate Language, also die Sprache des Unternehmens muss bei allen Aktivitäten ersichtlich sein.
Beispiel aus der Praxis: Als Unternehmen muss man sich entscheiden, ob man eher einen lockeren Umgangston (duzen) wählt, wenn man kommuniziert oder ob man es lieber formell (siezen) halten möchte. Wichtig ist, dann immer gleich zu kommunizieren.

Wichtig bei der 360° Kommunikation ist, dass alle Personen und Abteilungen, die in irgendeiner Weise mit ihr zu tun haben, mithelfen. Sie sind im ständigen Austausch und behalten immer das grosse Ganze im Auge.

Perspektivenwechsel

Wie wir sehen, ist der klassische Ansatz der integrierten Kommunikation eine Hilfestellung, damit Unternehmen besser planen und steuern können, was sie sagen wollen. Versuchen wir nun, die 360° Kommunikation mit dem Fakt zu verbinden, dass wir Menschen von früh bis spät immer und überall kommunizieren. Folglich kann ein Unternehmen auch jederzeit mit Individuen in Kontakt treten oder eben mit ihnen kommunizieren. Das geht über Werbung im Tram, die wir meist nur aus dem Augenwinkel und eher unbewusst wahrnehmen oder durch Plakate, an denen wir vorbeiradeln. Viel offensiver können Unternehmen kommunizieren, indem sie uns Briefe nach Hause schicken oder wenn eine Verkaufsperson uns im Geschäft direkt anspricht. Diese Arten von Kommunikation sind uns allen mehr oder weniger bekannt.

Was aber wäre, wenn ein Unternehmen seine Büroeinrichtung oder seine Gebäudefassade als Kommunikationsmittel benutzen würde? Das wäre ebenfalls ein Teil einer 360° Kommunikation. Ein Unternehmen kann mit allem, was es tut, kommunizieren: Das geht vom Brief über den Onlinebanner bis hin zur Kleidung der Mitarbeitenden oder eben der Einrichtung des Eingangsbereichs. Genau diese letzteren Arten einer unbewussten Kommunikation sollte ein Unternehmen auf keinen Fall unterschätzen. Nein, Unternehmen sollten sogar anfangen, diese bewusst wahrzunehmen und aktiv damit zu spielen.

Quellen


Die komplexe Arbeit

Lesedauer: 6 Minuten

Arbeit 4.0. Digitales Zeitalter. Schnelllebig. Herausfordernd. Die Arbeit ist komplex geworden, sowohl auf Unternehmens- als auch auf Mitarbeitenden-Seite. Arbeit galt früher ausnahmslos der Existenzsicherung. Heute ist es schwierig, einfache Worte für die «produktive Tätigkeit» zu finden. Zu komplex ist unsere heutige Zeit, zu schnell verändern sich Strukturen und zu individuell werden unsere Bedürfnisse. Da kann man schon schnell den Überblick verlieren, es sei denn, man versucht einige wichtige Trends nachzuvollziehen. Hier der Versuch.

«Arbeit ist Erfüllung.» Das ist oder sollte zumindest der Wunsch eines jedes Menschen sein. Schliesslich definiert sich der Mensch heute immer mehr über seine Arbeit. Gerade jüngere Generationen wollen glücklich sein und streben eine perfekte Work-Life-Balance an, statt sich ein Leben in Saus und Braus zu sichern: Geld und Luxus ist gut und recht, aber Familie und Freiheit sind wichtiger. Das hat sicher einerseits damit zu tun, dass unsere Eltern für viele von uns die Existenz bereits gesichert haben und wir – sofern wir wollen – darauf aufbauen und somit unserem Glück nachgehen können. Die Karriere schlägt also den direkten Weg der Superlative ein, nämlich dem Streben nach Selbstverwirklichung.

Die Selbstverwirklichung

Mit der Selbstverwirklichung wird die Arbeit zum Lebensinhalt. Wir wollen alle zuoberst ankommen. Ich spreche hier nicht von der sichtbaren Karriereleiter, die alle Menschen auf einem CEO-Posten zeigt. Ich spreche von der individuellen Karriereleiter: Die Leiter, auf der wir unsere Berufung ausüben oder einer Tätigkeit nachgehen, die uns erfüllt. Eine Arbeit, wo wir unser ganzes Potenzial voll ausschöpfen und eigene Talente einbeziehen können. Die Erfüllung liegt aber nicht nur in der Selbstverwirklichung oder im Ausüben des Traumberufes selbst. Wie angedeutet, es geht nicht darum möglichst viel «Kohle» zu scheffeln. Das wäre gar fest schwarz und weiss betrachtet.

Gerade Friseur*innen, die tagein, tagaus Haare schneiden, färben und waschen, verdienen kaum etwas. Sie schuften, damit der Lohn bis zum nächsten Zahltag ausreicht. Wie gestaltet sich also die Selbstverwirklichung für Personen mit einem handwerklichen Beruf und erst noch jemand aus meiner Generation? Was ist mit der perfekten Work-Life-Balance? Friseur*innen können nicht gemütlich von zuhause aus arbeiten oder über Zoom neue Haarprachten zaubern. Nein. Das wäre dann wirklich Zauberei! Würden Friseur*innen den Job nicht gerne machen, dann hätten sie auch keinen Anreiz, in diesem Beruf zu bleiben. Also ist auch das eine Form von Erfüllung.

Es ist klar, nicht wenige suchen heute die Berufung oder die Erfüllung über ihr Hobby. So ist beispielsweise die Zahl von Influencer*innen oder TikTok-Stars in den letzten Jahren so stark in Höhe geschnellt, dass das Hobby zum Beruf wurde. Ich muss also schon gestehen: Menschen, die ihre Berufung oder Erfüllung über ihr Hobby finden, ja, das sind Glückspilze.

Erfüllung allein reicht nicht aus

Neben dem Wunsch, einen erfüllenden Beruf auszuüben, gibt es noch ein weiteres Bedürfnis, das relativ weit oben auf der Wunschliste vieler steht: Sich möglichst viele Optionen offen halten. Einige würden jetzt behaupten, dass es vor allem meine Generation betrifft. Die Generation, die sich die Freiheit nimmt, zu sagen: Alles kann, nichts muss.

Mag sein. In der Arbeitswelt kann aber eine solche Einstellung (gerade für Millennials) eine grosse Herausforderung darstellen. Wie kann man sich denn am besten die «Optionen offen halten»? Eine mögliche Antwort auf diese Frage fand ich in der nächsten Frage: Was willst du sein: Spezialist*in oder Generalist*in?

Wer seine Berufung gefunden hat, wird sich seinen beruflichen Weg ziemlich einfach ausmalen können. Denn diese Person weiss genau, welche Weiterbildungen, Kurse, Seminare – also Spezialisierungen – notwendig sind, um an ihr berufliches Ziel zu gelangen. Auf der anderen Seite gibt es aber Menschen, die nicht so schnell – vielleicht auch nie – eine Berufung finden und ewig auf der Suche nach dem perfekten Job sind. Da ist es schon schwieriger herauszufinden, welche Spezialisierung infrage käme. Solche Menschen tendieren schliesslich dazu, immer etwas Neues auszuprobieren und sich sehr unterschiedliche Qualifikationen anzueignen. Sie werden also in die Kategorie der Generalist*innen eingestuft. 

Spezialist*in vor Generalist*in oder vice versa?

Es stellen sich nun weitere Fragen: Welche Kategorie wird in Zukunft entscheidend sein? Welche Unternehmen setzen auf welchen Typen? Auf der einen Seite prognostiziert die Wissenschaft einen Aufwärtstrend in der Spezialisierung. Quasi: Es werden Arbeitnehmende nach Mass gesucht. Also erfordert das Spezialist*innen. Auf der anderen Seite gibt es aber Studien, die darauf hinweisen, dass Generalist*innen Spezialist*innen auf lange Sicht überlegen seien. Was ist jetzt richtiger?

In der Kolumne Krogerus & Tschäppeler (das Magazin) lautet die Antwort: Seien sie ein spezialisierter Generalist. Lapidar in meinen Worten: Sei die Schnittstelle. Das heisst, um den Status des spezialisierten Generalisten resp. der spezialisierten Generalistin zu erreichen, soll man nicht versuchen, in einem Bereich die*der Beste zu werden. Man soll sich zwei Bereiche aussuchen, die man nur schlecht kombiniert kombinieren kann, und in beidem gut sein.

Ein Beispiel: Friseur*in & Psycholog*in. Zwei komplett verschiedene Berufe, an und für sich nicht vergleichbar, wenn man aber darüber nachdenkt, dann sieht man die Schnittstelle: Friseur*innen schneiden nicht nur Haare, sondern geben sich auch der Sprechlaune ihrer Kund*innen hin. Und was tun Psycholog*innen? Auf jeden Fall nicht Haare schneiden.

Was tun Unternehmen?

Die schnelllebige Arbeitswelt stellt nicht nur Arbeitnehmende vor eine Herkulesaufgabe. Auch Unternehmen müssen sich je länger, je mehr damit abfinden, dass Bedürfnisse und Anforderungen sich rasch und insbesondere ständig verändern. Hat sich eine HR-Methode in einem Unternehmen endlich etabliert, folgt oft schon die Nächste. Dabei Schritt zu halten, ist nicht einfach. Und sowieso: Wie behält man da den Überblick? 

Ich denke, dafür ist das Mindset von Unternehmer*innen entscheidend. Entweder man geht mit der Zeit, bleibt flexibel oder: Man bleibt auf Altbewährtem sitzen. Und wir wissen es alle (früher oder später): Altbewährtes wie Grossmutters Marmorkuchen ist goldwert, aber Altbewährtes aka Strukturen, eher weniger. Denn es ist ein Fakt: Der, der nicht stehen bleibt, ist der Mensch.

Du, ich, wir.   

Und Studien belegen es am Ende auch: Der Mensch braucht immer mehr eine erfüllende Arbeit. Ein Unternehmen, mit welchem er sich identifizieren, einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen und etwas bewegen kann. 

Werte bestimmen Identifikation

Hier möchte ich abschliessend sagen, dass ich auf der Seite der Arbeitnehmenden es äusserst wichtig finde, was für eine Kultur ein Unternehmen vorlebt und welche Werte dabei im Vordergrund stehen. Man darf einerseits nicht vergessen, dass gerade Millennials – also meine Generation – in den nächsten Jahren immer mehr zu Führungskräften werden. Dasselbe gilt für Unternehmenskulturen. Andererseits gehören schon heute 50 % der Arbeitnehmenden zur Generation Y (2025 sind es bereits 70 %). Und hier möchte ich auch noch anfügen, dass sechs von zehn Millennials ein Unternehmen aufgrund seiner strategischen Ziele auswählt und nicht wegen Boni, Ferien und verbesserten Sozialleistungen. 

Materiell war also gestern. Was es im Grunde genommen braucht, ist eine Veränderung. Millennials sind tatsächlich noch zu jung, um an der Führungsspitze eine Mehrheit zu bilden. Die jetzigen Entscheidungen liegen also nach wie vor bei den Unternehmer*innen, die – entschuldigt die Kategorisierung – etwa im Alter meiner Eltern sind (v. a. Generation Babyboomer). Es ist mir absolut bewusst, dass es nicht einfach ist, die neuen Generationen zu verstehen. Aber drum herum kommt ihr wirklich nicht.

Wäre es nicht viel schöner, motivierte, glückliche und engagierte Mitarbeitende zu haben, anstatt im Schnitt alle zwei Jahre wichtiges Know-how zu verlieren? Nur so ein Gedanke.

 

Quellen:

Playful Work gegen festgefahrene Muster

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Spielen in Unternehmen als neuer Führungsstil? Das klingt im ersten Moment merkwürdig. Playful Work verspricht jedoch so einiges, angefangen beim Ignorieren von Fahrplänen. Was das bedeutet, erklären wir dir in diesem Beitrag: die Playful Work-Information aus erster Hand.

(K)eine Fahrt ins Blaue

Playful Work ist eine spielerische Herangehensweise an Herausforderungen und Aufgaben in Unternehmen. Durch das Spielen lenken wir uns vom eigentlichen Thema ab (out-of-the-box) und kommen so schneller und unbefangener zu umsetzbaren Lösungen oder Ideen. Das Spiel versetzt uns Erwachsene wieder zurück in die Kindheit, als wir auf der grünen Spielwiese noch alles durften. Schliesslich mussten wir als Kind ja viele neue Erfahrungen sammeln. Bereits ab dem Kindergarten werden wir jedoch immer mehr und mehr in Strukturen gedrängt. Die freie Spielwiese verwandelt sich also mit zunehmendem Alter zu einem Fahrplan mit Leitplanken, Anordnungen, Anweisungen und Stopps.

Ein Fahrplan im herkömmlichen Sinne lässt praktisch keine Freiheiten mehr zu. Man muss ihn studieren und sich an seine Vorgaben halten. Auch im Job gibt es unzählige Fahrpläne, nach denen man sich richten muss. Das blockiert das Gehirn; das freie und spielerische Denken ist nicht mehr möglich. Unser Hirn hat sich so an die Strukturen gewöhnt, dass es die vorgegebenen Fahrpläne in- und auswendig kennt. Weshalb sollte man also andere, neue Wege gehen? Schliesslich könnte man sich auf diesen verirren und wer will das schon? Sich nicht an den Fahrplan zu halten, könnte unbequem sein und vom Umfeld als nicht effektiv angeschaut werden.

Raus aus der Komfortzone

Playful Work hilft, Fahrpläne auf die Seite zu schieben, die antrainierten Muster und Strukturen loszulassen und die eigene Komfortzone zu verlassen. Mit dem Effekt, dass man eben wieder auf neue und andere Lösungsansätze und Ideen kommt.

Wir leben und denken oft in Strukturen und Mustern. Playful Work bricht solche Muster bewusst. Man gelangt schneller zu Lösungen.

Playful Work bringt zudem folgende Vorteile:

  • Spielen macht Spass. Spass macht glücklich und Glück ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung unserer Gesundheit und unseres Seelenfriedens.
  • Dieser Spass öffnet auch neue Horizonte und lässt das kreative Denken entfalten. Wenn ein Unternehmen dies zulässt, bleiben Mitarbeitende motiviert.
  • Das Spielen verbindet auch. Das stärkt den Zusammenhalt eines Teams und lässt das viel zitierte Wir-Gefühl entstehen.
  • Das führt auch dazu, dass Konkurrenzkämpfe und Generationen- und Genderthemen bewusst ausgeblendet werden. Beim Spiel werden Hierarchien abgebaut, kein Ego-Kampf ist mehr zu spüren.
  • Wir leben und denken oft in Strukturen und Mustern. Die Kreativität, die durch das Spiel entsteht, bricht solche Muster bewusst. Man gelangt schneller zu Lösungen.
  • All diese positiven Effekte vom Spiel – oder Playful Work – bringt uns schliesslich in den Flowmodus.

Playful Work ist eine Umprogrammierung des angewohnten Denkens. Ich nenne es auch Spielkultur. Im Gegensatz zur Fehler- und Lernkultur, lässt die Spielkultur Menschen wieder aufblühen und ihre alten Angst- und Denkmuster vergessen. So werden die Motivation und das Engagement in einem Unternehmen gesteigert.

Wenn Menschen miteinander spielen (z. B. an einem Flipperkasten oder in Form eines Rollenspiels), entsteht einerseits in kurzer Zeit eine Durchlüftung im Hirn, andererseits wird die kreative Hirnhälfte aktiviert. Dadurch, dass die Menschen im Spielmodus sind, wird das Miteinander gefördert und so können unglaublich schnell neue Ideen umgesetzt oder Aufgaben gelöst werden. 

Playful Work – der Fahrschein zum Erfolg

  • Playful Work darf nicht von oben herab befohlen werden; das bringt Mitarbeitende in eine Abwehrhaltung.
  • Playful Work verfolgt das Ziel eines hierarchielosen Prozesses. Chef* und Mitarbeitende treffen sich auf Augenhöhe.
  • Spezielle Einrichtungen alleine bringen nicht automatisch Playful Work mit sich. Wir sind Gewohnheitstiere. Es braucht immer wieder neue spielerische Inputs.
  • Auch Prozesse, Dokumente und Regelungen kann man in ein Spiel verwandeln. Dabei ist wichtig: Das Spiel sollte konsequenterweise in allen Bereichen und Ebenen gelten und verinnerlicht werden.

Höchste Zeit, auf den Zug aufzuspringen

Playful Work sowie die Spielkultur werden unsere Arbeit in den nächsten Jahren prägen. Nur so ist man in der sich immer schneller verändernden Welt (Stichwort VUCA) resilient genug und es entstehen nachhaltigere und gesündere Arten von Unternehmenskulturen. Schliesslich nimmt unsere VUCA-Welt keine Rücksicht auf bestehende Fahrpläne.


Weitere Informationen


Der Goldene Kreis – das Tor zur Kundenloyalität

Lesedauer: 5 MinutenHast du dich schon einmal gefragt, was ein Unternehmen erfolgreich macht? Sind es die tollen Produkte, eine sensationelle Dienstleistung, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis oder etwa charismatische Verkäufer*innen?

Ich behaupte: Weder noch, denn es ist etwas ganz anderes. Was das ist, wirst du im Verlaufe dieses Textes selber herausfinden.

Manipulation statt Loyalität

Gehen wir einen Schritt zurück und beantworten die vorhin gestellte Frage salopp mit: Ein Unternehmen ist erfolgreich, wenn es Gewinn macht. Wie aber kommt es zu diesem Gewinn?

Die allermeisten Unternehmen manipulieren ihre Kund*innen auf irgendeine Weise, damit sie oder er ein Produkt oder eine Dienstleistung kauft. Diese Manipulation kann sehr vielseitig sein, z. B. über Preis, Aktionen, Angst, Wünsche, Versprechen, Gruppendruck oder vermeintliche Innovationen, die eigentlich nur Neuerungen sind. Tatsache ist, dass Manipulationen letzten Endes zu Transaktionen führen. Diese Transaktionen sind aber nicht gleichzusetzen mit Loyalität oder Treue. Transaktionen durch Manipulation sind nur dann in Ordnung, wenn sie einmalig stattfinden und dadurch keine Stammkundschaft oder Kundenbindung aufgebaut werden soll.

Problematisch bei den Manipulationen ist, dass sie so gut funktionieren und deshalb zu unserem Alltag geworden sind. Und sind wir mal ehrlich: In den aller seltensten Fällen findet nur eine einzelne Transaktion zwischen Unternehmen und Kund*in statt. Es ist deshalb höchst fraglich, ob der Einsatz von Manipulationen den (kurzfristigen) Erfolg rechtfertigen.

Aber was ist die Alternative?

Der Goldene Kreis

Die Alternative nennt sich Goldener Kreis und nein, das ist kein exklusiver Club, sondern ein hilfreiches Modell für Unternehmen. Der Goldene Kreis oder eben Golden Circle basiert auf dem Goldenen Schnitt. Dieser kann auf vielen Gebieten angewendet werden; er liefert wiederholbare und voraussagbare Ergebnisse in Bereichen, in denen diese andernfalls möglicherweise dem Zufall oder Glück zugeschrieben würden. Der Goldene Kreis besteht aus drei ineinander liegenden, immer grösser werdenden Kreisen. Der äusserste Kreis steht für das Was, der mittlere für das Wie und der innerste Kreis für das Warum. Bildlich sieht das so aus:

Bild: Eigene Darstellung des Goldenen Kreises in Anlehnung an die Grafik von Simon Sinek. (Quelle: Simon Sinek. Frag immer erst: warum. Wie Topfirmen und Führungskräfte zum Erfolg inspirieren, 2019, S.39)

  • Was
    Jede Organisation, ob Unternehmen, Verein, Stiftung unsw. weiss, was sie tut. Das Was ist leicht zu identifizieren.
  • Wie
    Einige Unternehmen oder Individuen wissen, wie sie tun, was sie tun (= Alleinstellungsmerkmal). Das Wie wird eingesetzt, um zu erklären, wie verschieden und um wie viel ein Produkt oder eine Dienstleistung besser ist.
  • Warum
    Nur sehr wenige Menschen und Unternehmen können klar sagen, warum sie tun, was sie tun. Warum gibt es das Unternehmen, was ist das Ziel, der Beweggrund, der Glaube, die Überzeugung?

Die allermeisten Unternehmen und Individuen arbeiten genau nach diesem Schema: Was, Wie, Warum. Dabei sollte es genau umgekehrt sein: Alles bewegt sich von innen nach aussen, also Warum, Wie, Was. Warum ist das so? Ganz einfach: Wir Menschen kaufen grundsätzlich nicht das, was ein Unternehmen tut, sondern warum es etwas tut. Das Warum ist also quasi der Kaufgrund und das Was ist der Beweis für diesen Glauben.

Natürlich ist das Warum nicht der einzige Garant für Erfolg. Es ist jedoch der einzige Weg, um Erfolg langfristig zu sichern und ein besseres Zusammenspiel von Flexibilität und Innovation zu erreichen. In Anbetracht der stetig wachsenden Konkurrenz geht es nicht darum, sich als Unternehmer*in zu fragen «Was können wir tun, damit wir konkurrenzfähig bleiben?», sondern «Warum haben wir begonnen zu tun, was wir hauptsächlich tun und was können wir gerade jetzt in diesem Moment tun, um unseren ursprünglichen Zweck unter Einbezug aller Technologien und Marktchancen auch heute noch zu erfüllen?».

Das Warum als zentrales Element von Storytelling

Das Warum sollte die Basis für alle Aktivitäten eines Unternehmens sein. Sprich: Alles, was ein Unternehmen tut, muss auf diesem Grundstein aufgebaut sein. Wie ich vorher bereits erklärt habe, kaufen wir Menschen etwas, weil wir an dasselbe Glauben wie das Unternehmen und weil wir auch Teil dieser Community sein wollen. Als Kund*in wollen wir uns mit dem Unternehmen identifizieren können. Das erreicht ein Unternehmen nicht, indem es Hard Facts verkauft, sondern indem es Kund*innen emotional abholt. Und genau dazu braucht ein Unternehmen Storytelling. Je authentischer dieses Storytelling ist, desto besser. Mit authentisch meine ich, dass das Unternehmen tatsächlich alles glaubt, was es tut und sagt. Wenn wir uns also für eine Dienstleistung oder ein Produkt entscheiden müssen, dann wollen wir unserem Gefühl folgen und nicht anhand vieler Fakten die richtige Wahl treffen müssen.

Die Quintessenz

Wir bei PINKTANK haben erkannt, wie wichtig der Goldene Kreis und vor allem das Warum eines Unternehmens für gutes und glaubwürdiges Storytelling ist. Die Erarbeitung des Goldenen Kreises ist jedoch ein harter, anspruchsvoller Prozess, der viel Denkarbeit und Geduld kostet. Darum haben wir versucht, einen anderen Weg zu finden: In unseren Playful Workshops schaffen wir es, dass sich unsere Kund*innen spielerisch mit dem Thema auseinandersetzen. In erster Linie geht es darum, eine Story mitsamt Key Visual für ein Unternehmen zu erarbeiten. Diese beiden Elemente sollen den Kern des Unternehmens widerspiegeln. Während des Workshops und dem nachgängigen Prozess finden Unternehmen automatisch die Antworten auf die drei W-Fragen des Goldenen Kreises. Sie müssen diesen vorher nicht einmal gekannt haben.

Um nun auf die Anfangsfrage zurückzukommen, was ein Unternehmen erfolgreich macht: Es ist die eindeutig benennbare Vision eines Unternehmens, die aussagt, warum das Unternehmen überhaupt eine Daseinsberechtigung hat. Und es ist das unermüdliche Streben des Unternehmens, diese Vision zu verwirklichen. Auch wenn das bedeutet, nur einen Teil des Marktes bedienen zu können.

Quellen:

Sinek, S. (2019). Frag immer erst: warum. Wie Topfirmen und Führungskräfte zum Erfolg inspirieren. München: Redline.
Sinek, S. (2009). TedTalk: https://www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action?language=de

Alle Acht vor der Acht: Die Resilienz als neuer Wirtschaftstrend?

Lesedauer: 6 Minuten

Die Wirtschaft erlebt gerade ihr blaues Wunder und wir mit ihr ebenso. Viele Unternehmen bangen um ihre Existenz und niemand weiss genau, wann sich die Volatilität der Wirtschaft wieder normalisiert. Die Lösung? Mehr Resilienz – dank zyklischem Denken.

Man könnte jetzt nicht behaupten, dass Resilienz in aller Munde ist; zumindest nicht auf Wirtschaftsebene. Dennoch soll genau diese Resilienz – so besagen es zumindest Forscher*innen – für eine neue Wirtschaftszukunft sorgen. Nämlich haben noch vor der Corona-Krise Zukunftsforscher*innen über die Nachteile eines linearen, eindimensionalen und materiell-ökonomischen Wachstumsdenken geschrieben und im Gegenzug die Vorteile eines Zyklus aus der Resilienzforschung aufgezeigt. Wie wir aber wissen, tragen solche Modelle erst Früchte, wenn es dem Zeitgeist entspricht oder wenn etwas Unvorhersehbares passiert. Eine Krise zum Beispiel.

Und dann kam sie. Mit voller Wucht brachte Corona die Wirtschaft zum Stillstand. Genau richtig für diesen Zyklus. Denn dank der Corona-Krise war es nie einfacher, die Vorzüge des zyklischen Denkens unter die Leute zu bringen. Heute wissen wir, dass Unternehmen wohl künftig nicht mehr nur nach Effizienz und Wachstum streben können. Denn je mehr Krisen entstehen, desto gewappneter müssen Unternehmen sein. Die Aktuelle hält es uns vor Augen. Also heisst’s: Gewinne an Resilienz, sei agil, damit du bei einer Disruption nicht den Boden unter den Füssen verlierst. Wie diese Resilienz geschafft werden kann, erklärt die Nummer 8: Lazy Eight.

Lazy Eight sagt der Linearität den Kampf an

Lazy Eight ist ein Zyklus, der die Form einer liegenden 8 hat. Das systemische Modell hat ihren Ursprung in der Resilienzforschung und soll das Gewinnmaximierungsdenken ersetzen. Das Modell zeigt im Prinzip auf, welche Phasen ein Unternehmen durchlaufen muss, damit es zu mehr Resilienz gelangt. Im Grunde genommen heisst das, dass Lazy Eight dem Unternehmen dabei hilft, die Anzeichen sowie Notwendigkeit eines Umbruches zu erkennen und die aktuellen und bevorstehenden Krisen neu zu begreifen. In anderen Worten bedeutet das, dass ein Unternehmen bei unerwarteten Ereignissen nicht einfach nur abwartet und dann nach Krisenende einfach wieder loslegt, um die Einbussen so rasch wie möglich auszugleichen. Nein. Wenn ein Unternehmen die nötige Resilienz besitzt, dann sieht es das Ereignis als Chance und wird dazu ermutigt, neue Wege einzuschlagen.

Mit Krise sind nicht nur pandemische oder finanzielle Krisen gemeint, sondern ebenso direkte, aufs
Unternehmen bezogene, Einbussen beispielsweise Verluste infolge Marktveränderung oder obsoleten Produkten.

Das Zukunftsinstitut erklärt’s so: Heute würden sich viele Unternehmen im oberen Teil des Lazy Eight bewegen: Wachstum und Effizienz gehören, wie ich sie eingangs erwähnt habe, zu den wichtigsten Keywords. Da wir gerade in einer grösseren Krise stecken, kommt Lazy Eight genau richtig, denn Unternehmer*innen hätten grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. Wieder zum Alten zurückkehren (man bleibt im oberen Teil der Lazy Eight) oder
  2. neue Modelle kreieren, quasi die Lektionen aus der Krise lernen und alte Muster durchbrechen (unterer Teil der Lazy Eight).

Bild: Eigene Darstellung des Lazy-Eight Zyklus in Anlehnung an die Grafik des Zukunftsinstituts (Quelle: Trendstudie Next Growth, 2018, S. 45)

Du erahnst sicher, auf was ich hinaus will: Festhalten am Status quo, also Möglichkeit 1 wählen, ist nicht ungefährlich, sofern man Zukunfts- und Resilienzforscher*innen glaubt. Nämlich habe die aktuelle Krise bewiesen, dass viele Unternehmen von einer Sekunde auf die andere zum Stillstand kamen. Unter Berücksichtigung des zyklischen Denkens indes soll ein solcher Stillstand künftig erst gar nicht mehr möglich sein. Das zeigt sich auch in der oberen – vereinfachten Darstellung – von Lazy Eight: Unmittelbar an der «Spitze» des oberen Teils befindet sich die Phase «Krise». Die Unternehmen, die diesen Krisenpunkt berücksichtigen, haben die besten Voraussetzungen, sich zu regenerieren. Sie wählen neue innovativere Wege, erarbeiten neue Strategien, schaffen ein anpassungsfähiges System, was wiederum die Resilienz in Unternehmen sichert. Kurzum: Indem sie Möglichkeit 2 wählen, wird die Disruption automatisch disruptiert. Dabei sind Kreativität und Innovation unter Einbezug von Mitarbeitenden zwei zentrale Aspekte. So entstehen neue Rollen, neue Netzwerke und – wie bereits eingangs erwähnt – neue Kooperationen und Kollaborationen.

Das ist einfacher gesagt als getan. Es stellt sich nämlich eine für Unternehmer*innen entscheidende Frage: Wie erreicht man die Phase der Kreation, also die des kreativen und neuen Denkens, mit möglichst wenig Ressourcen, in einer angemessenen Zeitspanne und mit einwandfreiem und lang anhaltendem Resultat?

Die Schnittstelle oder auch die goldene Mitte des Lazy Eight ist dabei entscheidend.

XINIX – die Brücke zur Kreation

Warum hier die XINIX-Methode so erwähnenswert ist, liegt an der Zeit und den Ressourcen. Das Ziel von Unternehmer*innen ist die schnelle Umsetzbarkeit von Neuem, marktreif und differenziert. Wenn es also von Forscher*innen schon heisst, man müsse neue Wege einschlagen, kreatives Denken und Innovation zulassen, Kollaboration und Kooperation schaffen und und und… dann kanns Unternehmer*innen ziemlich schnell mal schwindelig werden. Es ist also eine Wahnsinns-Herausforderung von der Phase des Loslassens in die Phase der Kreation zu wandern, wenn so vieles berücksichtigt werden soll. Es sei denn, es gibt eine Methode, die alles bündeln kann und innert kürzester Zeit eine Brücke zwischen beiden Phasen aufbaut. XINIX eben.

Die XINIX-Methode ist in ihrer Basis nichts anderes als eine gewöhnliche Projektmanagement-Methode. Mit einer Ausnahme: Im Gegensatz zu anderen Methoden, besitzt sie die Einzigartigkeit der Inspiration und Spielerei. Und das ist ein immenser Vorteil, insbesondere dann, wenn wir dem Zyklus der Lazy Eight gerecht werden wollen. Wir kennen es doch alle: Die besten Ideen entstehen immer dann, wenn wir nicht das Gefühl haben, wir müssen gerade den Einfall haben. Indem wir also auf dem Liegestuhl liegen, an den Himmel starren und den verschiedenen Formen der Wolken zuschauen, lassen wir uns unbewusst inspirieren. Unsere Augen folgen den verschiedenen und ständig wechselnden Strukturen, was in unserem Kopf lauter Bilder entstehen lässt. Diese Art von Inspiration in ein Unternehmen zu transportieren, das schafft XINIX. Die Methode ermöglicht es Unternehmen, alte Muster los- und Neues zuzulassen. Sie filtert Bestehendes und vertieft das Bewährte. Verbunden mit dem Spiel entsteht schliesslich auch die nötige Kollaboration und Kooperationsbereitschaft im Team. Letztendlich zielt das auf ein gleiches Verständnis für ein bestimmtes Thema ab und schafft Bereitschaft zur Improvisation und Exploration.

Die XINIX-Methode trägt also dem Lazy Eight-Zyklus Rechnung, indem sie bewusst das neue und kreative Denken zulässt und so den Umbruch von Krise zu Regeneration automatisch in Bewegung setzt. Das wiederum bringt einen fundamentalen und dauerhaften Wandel für ein Unternehmen mit sich. Hat das Unternehmen diese Transformation mit XINIX vollzogen, besitzt es alle Werkzeuge, die es für den Fortgang im unendlichen Lazy-Eight-Zyklus braucht. Die nächste Starre kommt nicht so schnell.

Der Kreis schliesst sich

Dank Corona ist Lazy Eight langsam bei uns angekommen. Wird sie unsere Retterin in Not?

Vielleicht, wenn man sich das zyklische Denken zu Herzen nimmt und den Sprung von Loslassen zum neuen Denken wagt. Das braucht sicher eine grosse Prise Mut, weil erstens die Acht (noch) nicht Mainstream ist und nur wenige Unternehmen sich dieser aktuell widmen und zweitens ein gewisser Respekt vor spielerischen Methoden vorherrscht. Ja, das behaupte ich. Denn ich weiss mittlerweile, was es bedeutet, in einer Acht zu denken und sich zusätzlich das Spiel zunutze zu machen; täglich, rund 30 Stunden die Woche, die Basis meines Arbeitsalltages.

Ich bin also dafür, dass man das Effizienz- und Wachstumsdenken streicht und mit der Acht einen neuen Wirtschaftstrend setzt: dauerhaft im Sinne von Unendlichkeit. In dem Sinne: auf eine resiliente Zukunft. 😊

Quellen:

Spielkultur – der neutrale Lernprozess

Lesedauer: 5 Minuten

«Nobody is perfect» oder «sich irren ist menschlich». Unser Leben ist vollgepflastert mit Redewendungen und hin und wieder benutzen wir solche Weisheiten als Rechtfertigung für etwas, das schiefgelaufen ist. Die Fehlerkultur gehört zum Lebensprozess. Fragt sich aber: Kann die Fehlerkultur nicht durch etwas ersetzt werden, das eine neutrale – nicht negativ konnotierte – Ebene schafft?

Schon früh als Kind werden wir mit dem Fehler- und Lernprozess konfrontiert. Wenn wir laufen lernen, fallen wir beim ersten, zweiten, aber vielleicht auch beim dritten Versuch hin. Wir stehen immer wieder auf, fallen noch einmal hin und stehen schliesslich wieder auf. Wir versuchen es so lange, bis wir den Prozess des Laufens beherrschen. Indem wir Hinfallen machen wir «Fehler» und lernen mit jeder Wiederholung aus solchen. So funktioniert’s. Das Schöne an diesem Beispiel ist, dass das Kind nicht weiss, dass es einen Fehler begeht. Missbilligung von Mama und Papa kennt es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, zumindest nicht in der Form, wie wir sie später zu spüren bekommen. Denn spätestens, wenn Kinder ins Schulalter kommen, dann als junge Erwachsene einen Beruf ausüben (oder studieren) und schliesslich im Laufe des Erwachsenenlebens viele (Lebens-)Erfahrungen sammeln, stösst ein Individuum auf die ganz bewusste Fehlerkultur. Ein solcher Prozess prägt uns und unsere Persönlichkeit.

Das «Richtig oder Falsch»-Prinzip

Begehen wir in unserem Alltag Fehler, dann fallen wir im ersten Moment in eine Art Starre. Bei manchen tritt gar ein Schamgefühl ein, andere verspüren Angst. Machen wir Fehler, dann werden wir zu Schuldigen (natürlich kommt es auch immer auf den Härtegrad des Fehlers an). Gerade im Arbeitsalltag ist «Fehler machen» für viele immer noch ein persönliches Tabu. Es gilt in den Köpfen: «Ich will meinem Arbeitgeber* beweisen, dass ich diese Stelle verdient habe», «Ich vermeide Fehler, so gut es nur geht», «Ich will perfekte Arbeit leisten» (so stand es nämlich im Inserat: perfektes Deutsch – das muss ich erfüllen). Also: Fehler sind selbstredend keine zugelassen, es existiert nur richtig oder falsch.

Mittlerweile verwandeln viele Unternehmen ihre Organisationskultur in eine produktive Fehler- oder Lernkultur (siehe Definitionen in Box). Ich benutze in diesem Beitrag beide Kulturen als eine, zumal sie unter dem Strich das gleiche Ziel verfolgen: das Enttabuisieren von «Fehler machen» und eine neue Form von Akzeptanz schaffen. Zum Spektrum der Fehler- und Lernkultur wird «Bestrafung» ersatzlos gestrichen und eine Art Belehrung oder Fehlerfreundlichkeit eingeführt. Das Unternehmen schafft gewisse Rahmenbedingungen, die den Mitarbeitenden ein Lernen aus Fehlern ermöglichen sollen. Das wiederum soll zum Ziel haben, dass die Mitarbeitenden besseren Leistungen erbringen.

Solche Fehler- und Lernkulturen sind besonders erwünscht und erhalten auch viel Anerkennung. Eines lässt mich aber an der Fehler- und Lernkultur zweifeln: Unter dem Strich funktionieren sie doch immer noch nach dem «Richtig oder Falsch»-Prinzip? Man begeht einen Fehler, wird zwar nicht sanktioniert, erhält aber ein Feedback ganz nach den vereinbarten Rahmenbedingungen. Folglich haben wir trotzdem etwas falsch gemacht. Der eigentliche Glücksmoment und die Meriten bleiben aus.

Spielkultur als Ersatz für Fehler- und Lernkultur

Anders sähe es aus, wenn man eine neue Kultur schaffen würde. Die des Spielens. Denn die Spielkultur vereint sowohl Fehler- als auch Lernkultur und schafft eine neue neutrale Perspektive ganz ohne Muss-Akte und Angsthaltung.

Wie ich bereits oben erwähnt habe, wissen Kleinkinder nicht, wenn sie einen Fehler begehen. Sie sind quasi Profis im Lernen; in ihren Köpfen existiert noch keine Bewertung nach richtig oder falsch. Sie nutzen sogar ihre Misstritte, um beim nächsten Mal nicht noch mal den gleichen Fehler zu machen. Dabei fehlt ihnen etwas nie: der Glücksmoment. Und dieses Gefühl soll doch auch in unser Erwachsenenleben, ergo in ein Unternehmen, transportieren werden. Glück statt Angst, nicht?

Es kristallisieren sich beim Spielen nämlich vielerlei Vorteile gegenüber der Fehler- und Lernkultur heraus: Erstens existieren in einem Spiel keine Konkurrenzkämpfe, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. In der Spielkultur geht es nie ums Gewinnen oder Verlieren. Sie schafft eher eine Art Plattform für ein – sagen wir mal – Learning. Zweitens ist die Spielkultur keine Solokünstlerin. Nein. Sie funktioniert nur im Team, deshalb ist sie auch so wertvoll. Denn dadurch, dass es alle braucht, entsteht auch das gemeinsame Lernen. Bei einem Fauxpas gibts weder einen Schuldigen, noch wird «Schuld» überhaupt ein Thema sein. Das Hauptziel der Spielkultur ist das Schaffen von neuen Lösungswegen, gemeinsam. Da kanns passieren, dass man mal falsch abbiegt. Aber bekanntlich führen alle Wege nach Rom und das behält sich die Spielkultur ausdrücklich vor. Drittens, unmittelbar mit Letzterem verbunden, werden in einem Spiel Fehler explizit erwünscht. Klingt paradox, aber Studien konnten es sogar belegen: wenn Mitarbeitende offen über ihre Misstritte oder Schwächen sprechen, dann stärkt das ihren Ehrgeiz, es beim nächsten Mal besser zu machen oder einen anderen Weg zu beschreiten. Von Angsthaltung ist keine Rede mehr.

Ich erlebe die Spielkultur so, als wäre sie ein Teil meines «vie quotidienne». Wir flippern, kreieren Geschichten aus Kinderbüchern oder erfinden neue Spiele. Ja, das ist die Spielkultur: Wenn du festsitzt, nicht mehr weiterkommst und am Ende deine Leistungen trotzdem stimmen müssen, würfelst du dich einfach ins Glück. Was zählt, ist, dass du durchs Spiel Blockaden jeder Art lösen kannst. Und (!) du bist natürlich nie allein. Deine Unterstützer* sind gleichzeitig deine Teamkollegen*.

Die Spielkultur verändert

Ich war in meiner zehnjährigen beruflichen Laufbahn einige Male mit Fehlern konfrontiert. Jederzeit stand ich in Alarmbereitschaft, weil ich eine grosse Angsthaltung gegenüber dem «Fehler machen» hatte. Dieses Laster habe ich jahrelang mit mir herumgetragen. So lange bis ich das erste Mal mit der Spielkultur in Kontakt kam. Erst dann wurde mir bewusst, wie viel «Fehler-Angst-Gewicht» ich auf meinen Schultern trug und wie stark es meine Leistungen beeinträchtigte. Durch die Spielkultur konnte ich viel von diesem Gewicht abladen und das in nur sehr kurzer Zeit. Also, wieso unser Mindset nicht auf einen neutralen Lernprozess bringen, damit wir künftig mehr Glücksmomente empfinden?

Ausserdem, nur so zum Abschliessen: Das Wort Spielkultur ist nicht nur neutral in seiner Bedeutung, nein, es schafft einen neutralen Boden für alle!

Lernkultur 
Gesamtheit aller Rahmenbedingungen einer Organisation und ihrer Mitglieder 
in Bezug auf die Förderung und Pflege von Lernen im Unternehmen. 
Die Lernkultur umfasst sowohl förderliche als auch hemmende Faktoren des Lernens. 


Fehlerkultur 
Organisationskultur, die es Mitarbeitenden erlaubt, offen und frei von Angst 
vor Sanktionen oder Diskreditierung über Fehler zu sprechen. Mit der Fehlerkultur 
beschränken sich Sanktionen lediglich auf die Gravierendsten; 
gleichzeitig soll die Fehlerkultur ein produktives Lernen aus Fehlern ermöglichen.

Storytelling durch die Blume

Lesedauer: 5 Minuten

Unter Storytelling versteht jeder* etwas anderes, auch wir von PINTANK haben unsere eigene Sichtweise, wenn’s ums Geschichten erzählen geht. Bei uns sprechen wir deshalb meistens von der Kommunikationsblume; Blütenkern samt Blütenblätter. Das macht wahrscheinlich auf den ersten Blick wenig Sinn, aber wart’s ab, wenn du weiterliest, wirst du’s verstehen… 🙂

Blütenblättertanz statt Blütenkernfokus

Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmen, Velo-Center 321, das gerade ein neues Elektrovelo auf den Markt gebracht hat. Damit die Promotion auch glückt, plant das Velo-Center einen Auftritt an einer Messe. Das ist nur eine von vielen Massnahmen, die das Velo-Center im Jahr plant und jede davon bedeutet viel Arbeit, viel Planung und natürlich viele Kosten. Für alles braucht es ein separates Konzept, ein Motto und eine Story. Wenn wir es in den Worten von PINKTANK ausdrücken, dann wäre das ein ständiger Blütenblättertanz; sprich man arbeitet nur auf den Massnahmen, mal betrifft es die Marketingabteilung, mal PR oder HR. Würde sich das Unternehmen die Zeit nehmen, den Fokus auf den Blütenkern zu legen, dann könnten die Massnahmen auf den Blütenblättern um einiges schneller und kostengünstiger realisiert werden.

Ergibt keinen Sinn? Wir erklären es dir:

Betrachten wir Blumen, so hat jede einzelne einen Blütenkern und jeder dieser Kerne ist einzigartig. Die Blume erhält diese Einzigartigkeit durch die Natur. Sogar innerhalb derselben Gattung der Blume ist jeder Blütenkern anders und differenziert sich über Form, Farben, Grösse, Geruch. Genauso ist es bei Unternehmen, jedes ist im Kern einzigartig und differenziert sich von anderen, auch wenn es nur kommunikativ ist. Diesen Kern und dessen Inhalt muss jedes Unternehmen für sich herauskristallisieren.

Um das Gesagte noch zu visualisieren:

 

1 Storykern (Corporate DNA) = Inhalt – Emotionen
Der Inhalt beschreibt, was man kommuniziert und beinhaltet das Key Visual und Kernbotschaften, welche beim Empfänger gewünschte Emotionen auslösen.

2 Blütenblätter = Form
Wird intern oder durch eine Agentur umgesetzt.
Die Form beschreibt, wie man die Inhalte kommuniziert und beinhaltet die Kanäle und Massnahmen (z.B.: Online, Offline, Events etc.). Nur wenn man Inhalt und Form verbindet, sendet man die richtigen Informationen zu den entsprechenden Zielgruppen!

Aus dem Blütenkern heraus

Hier schliesst sich der Kreis: Ein Unternehmen muss die Story erzählen, die es einzigartig macht, quasi die Einzigartigkeit verpackt in einer Geschichte.

Das Velo-Center 321 hat sich also gegen eine kurzfristige Massnahme entschieden und sich im Vorfeld auf den Blütenkern konzentriert. Was ist die Einzigartigkeit von Velo-Center 321? Nach mehreren Brainstormings war sich die Geschäftsleitung einig: Die Story lautet «Volle Kraft voraus», denn das Unternehmen weiss, dass es mit seiner Technologie ganz vorne mitspielt und diese Überzeugung soll der potenzielle Kunde* spüren, noch bevor er überhaupt eines der neuen Elektrobikes getestet hat.

Mit einer Story allein ist es allerdings noch nicht getan. Danach muss das Velo-Center 321 die erarbeitete Story pflegen, hegen und nähren, damit es langfristig erfolgreich sein kann. Wie bei der Blume: Damit die Blüte lange blüht und die Blätter nicht welken oder verkümmern, müssen die Pflanzen immer wieder frisches Wasser und Dünger erhalten.

Die Botschaft und die Bildwelt vom Velo-Center 321 ergeben sich durch die Erarbeitung des Storykerns «Volle Kraft voraus». Für die bevorstehende Messe fehlen dem Velo-Center jedoch noch einige Kleinigkeiten, wie z.B. Give-aways und ein passender Wettbewerb für die Besucher*. Für den Wettbewerb hat sich das Unternehmen etwas Besonderes überlegt: Am Messestand stellt das Velo-Center ein Elektrobike auf, das mit einer Virtual Reality-Welt – einem E-Bike-Rennen – verbunden wird. Auf diese Weise ermöglicht das Velo-Center 321 den Besuchern* erstens die Testfahrt auf seinem Produkt und zweitens erlebt der Besucher im Rennen, wie leistungsstark das neue Elektrobike ist – ganz nach dem Motto «Volle Kraft voraus». Als Dankeschön für die Teilnahme erhält der Besucher* einen Energieriegel, damit er nach seiner Leistung wieder neue Kraft tanken kann. Der schnellste Teilnehmer* erhält nach der Messe einen Rabattgutschein für ein Elektrobike aus dem Hause 321.

Natürlich hat das Unternehmen nach dem Messeauftritt wieder alle Hände voll zu tun. Dann geht es vielleicht schon ans nächste Kundenmailing oder die nächsten Kundengeschenke. Dabei muss sich das Velo-Center 321 glücklicherweise nicht mehr neu erfinden, sondern nur aus dem Kern heraus arbeiten. Die Story bleibt bestehen. Fehlen nur noch kreative Ideen zum Thema «Volle Kraft voraus» und diese gehen dem Unternehmen bestimmt nicht so schnell aus.

Storytelling Meccano für eine blühende Zukunft

Und genau das ist PINKTANKs Ansatz von Storytelling. Wir wollen unseren Kunden* die ganze Blume anbieten. Deshalb tanzen wir nicht auf den Blütenblättern (Massnahmen) herum, sondern bewegen uns immer im Blütenkern (Storykern). Abgerissene Blütenblätter nützen nichts. Dieser Meccano sorgt dafür, dass alle intern (Mitarbeitende) und extern (Kunden*, Medien usw.) dieselben Informationen erhalten und dass sich ein Unternehmen im häufig so schwierigen Marktumfeld differenzieren kann.

PINKTANKs Arbeitsweise durch Storytelling liegt streng genommen in der Zeit. Wie in der Natur braucht die Entwicklung des Storykerns Zeit. Zeit, um den ganzen Wandel respektive die Morphose zu durchlaufen. Auf kurzfristige Sicht ist es deshalb natürlich verlockend, sich vor allem mit Massnahmen zu beschäftigen. Darum verwundert es einen nicht, wenn viele Unternehmen auf den Blättern arbeiten, anstatt im Kern zu beginnen. Langfristig gesehen ist es jedoch so, dass ein Unternehmen fürs Erarbeiten des Storykern am Anfang zwar mehr Zeit investieren muss, dafür nachher viel schneller bei der Umsetzung von Massnahmen ist und so Kosten spart.

Über Zeit in Unternehmen zu sprechen ist jedoch ein anderes Thema. Trotzdem die Frage in die Runde:

Was denkst du, welcher Weg ist am Ende effektiver?

 

 

Weiterführende Links

 

Kunst am Bau / im Raum: DingsDA

Lesedauer: 3 Minuten

Was ist DingsDA?

Als Kind hatten wir doch alle ein Maskottchen, ein Lieblingsplüschtier, ein Symbol. Damit wir dieses Gefühl, diese Erinnerung, wieder erleben, arbeiten wir über Kunst im Raum / am Bau.

Mit DingsDA schaffen wir Objekte, die einerseits funktionell sind und andererseits eine Geschichte erzählen.

Wieso DingsDA?

Ein richtiges Wording ist wichtig. Genauso wichtig ist ein visuelles Wiedererkennungsmerkmal deines Unternehmens. Schau das Ding DA!

Nachhaltige Kommunikation ist Kunst und diese so zu vermitteln, dass sie verstanden wird. DingsDA schafft eine einzigartige und nachhaltige Kommunikation für dein Unternehmen und schmückt die Corporate DNA mit einem einzigartigen Objekt.

Zu den detaillierten Projektbeschrieben