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Weniger ist mehr

Lesedauer: 4 Minuten

Bei vielen Unternehmen ist die Kommunikation ein komplexes Gebilde. Das muss nicht sein, würde es nach mir gehen. Mit einer Geschichte vereinfachst du deine Kommunikation, damit sie sogar ein Kindergartenkind verstehen würde. Kommuniziere so simple, als wäre dein Unternehmen, Produkt oder deine Dienstleistung ein Brot. Ja, richtig gelesen, ein Brot.

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich bereits für die unterschiedlichsten Unternehmen Beratungsmandate übernommen. Eins habe ich dabei immer und immer wieder festgestellt: Es gibt hunderte Formulare und Dokumente pro Projekt, die so komplex sind, dass die wenigsten Menschen sie verstehen. Ich frage mich, wieso das so ist. Der einzige Grund, der mir einfällt, ist, dass die Grundfrage vor lauter Komplexität und Details nie in Frage gestellt wird. Niemand versteht die vorliegenden Dokumente und zweifelt sie somit auch nicht an. Mein Team und ich verbringen dann Stunden damit, diese Dokumente durchzusehen. Wir versuchen herauszufinden, wo die eigentliche Herausforderung des jeweiligen Mandates liegt. Meistens befindet sich diese gar nicht dort, wo sie die Kund*in vermutet. Entweder müssen vor der Bearbeitung des eigentlichen Problems noch Zwischenschritte erledigt werden, damit man sich überhaupt erst an das von der Kund*in geschilderte Problem wagen kann. Oder die Herausforderung liegt in einem komplett anderen Gebiet. Beides habe ich bereits erlebt.

Ein Minimum an Seiten

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass noch bis vor ungefähr zehn Jahren ein schriftliches Briefing aus mindestens 20 Seiten bestehen musste. Unter dieser Seitenanzahl wurde dem Dokument keine bis wenig Beachtung geschenkt. Man war der festen Überzeugung, dass es mehr Argumentationen brauche, warum das Projekt durchgeführt werden sollte. Mir kam das oftmals so vor wie Lobbyismus bei einer Abstimmung oder Wahl. Je mehr Argumentationen für die Initiative oder die Kandidat*in desto besser. Diese Überflutung an Informationen, Wörter und Dokumenten macht unseren Alltag nur schwierig, mühsam und die Freude an der Arbeit verfliegt. Mein Team und ich vertreten stets das Motto «Weniger ist mehr». Innerhalb einer Minute solltest du die Sachlage erläutern können. Schaffst du das nicht, hast du den Kern deines Projektes oder Anliegens nicht verstanden.

So einfach wie Brot backen

Ein Beispiel: Eine Bäcker*in möchte, dass ich ihr helfe, richtig über ihre Backwaren zu kommunizieren. Dies gestaltet sich nicht besonders schwierig, da ich das Thema (hier Brote, Croissants und Plunderstücke) gut kenne. Jede*r kennt das Sortiment einer Bäcker*in, somit wird die Kommunikation darüber keine Hexerei sein. Jetzt stell dir die gleiche Situation vor, nur mit einer Kund*in, die über CO2, Zahnimplantate oder eine wissenschaftliche Studie kommunizieren will. Selbstverständlich kann mir die Kund*in eine Zusammenfassung über das Thema aushändigen, damit ich einigermassen Bescheid weiss. Auf Dauer wird das jedoch nicht funktionieren. Die Kund*in und ich müssen uns auf einer gemeinsamen Ebene treffen. Wir müssen gleich viel vom Thema verstehen. Du fragst dich jetzt wie das gehen soll? Ganz einfach: mit einer Geschichte. In Playful Workshops erarbeite ich mit der Kund*in und ihrem Team eine Geschichte. Ähnlich wie ein Märchen der Gebrüder Grimm. Solche Geschichten kennen wir alle aus unserer Kindheit. Einfacher auf einen gemeinsamen Nenner kommen? Geht nicht.

Die Geschichte soll so simpel sein, dass sie ein Kindergartenkind verstehen würde. Das ist ein schwieriges Unterfangen, da viele Unternehmen nicht wissen welche Informationen sie weglassen können und dürfen. In unserem Kopf schwirren täglich hunderte komplexe Gedanken umher. Diese so zu vereinfachen, dass nur noch das Wichtigste bleibt, ist eine Handwerk. Genau da komme ich ins Spiel. Meine Aufgabe bei den Playful Workshops ist es, alles zu eliminieren, was nicht relevant ist. Ich gestalte die Kommunikation pragmatisch einfach, sodass alle das Gleiche verstehen können. Weniger ist eben mehr. Natürlich sind die Details auch von Bedeutung. Sie werden lediglich in einem späteren Schritt berücksichtigt. Vergleichbar mit den Zutaten für ein Brot. Nach und nach gibst du die einzelnen Zutaten in den Teig. Du wirfst nicht von Anfang an alles in eine Schüssel.

In der Einfachheit liegt die Kunst

Wir Menschen sollten wieder lernen pragmatisch zu denken. Viele haben bei einer A4-Seite Briefing das Gefühl, dass die Absender*in faul war. Nein, ganz im Gegenteil. Wenn jemand in der Lage ist 30 oder mehr Seiten auf einer Seite so zu erklären, dass der Inhalt und die Aufgabenstellung für alle klar ersichtlich sind, dann hat er oder sie den Auftrag sehr gut erledigt und verstanden worum es geht (Kern). Die Person weiss, worauf der Fokus zu legen ist. Genau diese pragmatische Arbeitsweise schafft wertvolle Zeit, denn wer nimmt sich in der heutigen stressigen Welt noch die Zeit, ein Dossier mit mehr als 30 Seiten zu lesen?