Round and round we go – 360° Kommunikation

Lesedauer: 4 Minuten

Wir Menschen kommunizieren ständig, auch wenn wir das eigentlich gar nicht wollen. Wenn wir es tun, können wir aber zu einem grossen Teil selbst bestimmen, was wir wie kommunizieren. Dasselbe gilt für Unternehmen. Diese entwickelten in den letzten Jahren immer mehr ein Bewusstsein dafür, wie wichtig eine kohärente Kommunikation ist. So ist auch der Ansatz der 360° Kommunikation entstanden.

Kommunikation in allen Formen und Farben

Reden, schreien, flüstern, schweigen – all das ist Kommunikation, aber Kommunikation ist noch viel mehr! Gehen wir nun einen Schritt zurück und schauen uns an, was Kommunikation überhaupt ist: Unter Kommunikation ist nämlich der Prozess der Bedeutungsvermittlung zu verstehen, der sich zwischen zwei oder auch mehreren Lebewesen abspielt. Durch den Begriff «Vermittlung» wird bereits klar, dass der Austausch immer über eine Instanz, also ein Medium, stattfindet. Dieses Medium kann vielfältige Gestalten annehmen, dazu gehören beispielsweise Gestik, Mimik, Rauchzeichen, Telefon, Film und noch viele mehr. Der Austausch ist aber keineswegs statischer Natur; bereits das blosse Verhalten zweier oder mehrerer Lebewesen aufeinander gilt als Kommunikation. Deshalb ist, wie ganz am Anfang dieses Absatzes erwähnt, Schweigen auch eine Form der Kommunikation.

Übrigens: Erfolgreich wird dann kommuniziert, wenn die Verständigung zwischen Sender*in und Rezipient*in glückt. Das heisst, ein*e Sender*in vollzieht eine kommunikative Handlung, z. B. durch das Ansprechen der anderen Person (= Rezipient*in). Diese wiederum begeht im selben Augenblick ebenfalls eine kommunikative Handlung, nämlich indem sie zuhört und versucht, die gesendete Nachricht zu entschlüsseln.

Wir verstehen nun, was zwischen einzelnen Personen geschieht, wenn sie untereinander kommunizieren. Nun sehen wir uns genauer an, wie es sich bei Unternehmen verhält und was das mit den 360° zu tun hat.

Rundum Kommunikation

Unternehmen wollen und müssen verstärkt ein Augenmerk darauf legen, wie und in welcher Form sie mit wem kommunizieren. Das betrifft sowohl alle internen (Mitarbeitende) als auch externen Personen (Kund*innen, Medien, Investor*innen usw.), die das Unternehmen anspricht. Um dieser doch nicht ganz einfachen Aufgabe Herr zu werden, gibt es den Ansatz der 360° Kommunikation oder auch der integrierten Kommunikation:

Bei diesem Ansatz geht es darum, dass sämtliche Kommunikationsaktivitäten eines Unternehmens strategisch geplant und koordiniert konzipiert sowie realisiert werden. Die Integration der Aktivitäten findet dabei auf vier verschiedenen Ebenen statt:

Zeitlich

Alle Aktivitäten müssen zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Dazu führt man am besten eine Jahresplanung, welche man kontinuierlich aktualisiert und weiterentwickelt.
Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen führt einen Redaktionsplan, in dem alle Aktivitäten sämtlicher Social-Media-Kanäle festgehalten werden.

Inhaltlich

Für jede Zielgruppe die passende Botschaft. Diese Botschaften sind klar festzulegen und auf die unterschiedlichen Kommunikationsinstrumente und -mittel zu übertragen. Dabei dürfen keine inhaltlichen Widersprüche entstehen.
Beispiel aus der Praxis: Dieselbe Botschaft muss immer wieder neu verpackt und auf die Zielgruppe sowie die Eigenheiten des Kanals angepasst werden. Konkret heisst das, dass ein Unternehmen jeweils kanalspezifische Texte, Bilder usw. aufbereiten muss.

Formal

Ein einheitliches Erscheinungsbild (gemäss Corporate Design) muss gewährleistet werden, auch wenn für jede Zielgruppe und für jeden Kanal unterschiedliche Botschaften geplant werden.
Beispiel aus der Praxis: Alle Publikationen eines Unternehmens müssen diesem eindeutig zugeordnet werden können. Dieser Wiedererkennungseffekt kann anhand des Logos, einer bestimmten Farbe, besonderen Elementen oder einem Bild passieren.

Sprachlich

Die Corporate Language, also die Sprache des Unternehmens muss bei allen Aktivitäten ersichtlich sein.
Beispiel aus der Praxis: Als Unternehmen muss man sich entscheiden, ob man eher einen lockeren Umgangston (duzen) wählt, wenn man kommuniziert oder ob man es lieber formell (siezen) halten möchte. Wichtig ist, dann immer gleich zu kommunizieren.

Wichtig bei der 360° Kommunikation ist, dass alle Personen und Abteilungen, die in irgendeiner Weise mit ihr zu tun haben, mithelfen. Sie sind im ständigen Austausch und behalten immer das grosse Ganze im Auge.

Perspektivenwechsel

Wie wir sehen, ist der klassische Ansatz der integrierten Kommunikation eine Hilfestellung, damit Unternehmen besser planen und steuern können, was sie sagen wollen. Versuchen wir nun, die 360° Kommunikation mit dem Fakt zu verbinden, dass wir Menschen von früh bis spät immer und überall kommunizieren. Folglich kann ein Unternehmen auch jederzeit mit Individuen in Kontakt treten oder eben mit ihnen kommunizieren. Das geht über Werbung im Tram, die wir meist nur aus dem Augenwinkel und eher unbewusst wahrnehmen oder durch Plakate, an denen wir vorbeiradeln. Viel offensiver können Unternehmen kommunizieren, indem sie uns Briefe nach Hause schicken oder wenn eine Verkaufsperson uns im Geschäft direkt anspricht. Diese Arten von Kommunikation sind uns allen mehr oder weniger bekannt.

Was aber wäre, wenn ein Unternehmen seine Büroeinrichtung oder seine Gebäudefassade als Kommunikationsmittel benutzen würde? Das wäre ebenfalls ein Teil einer 360° Kommunikation. Ein Unternehmen kann mit allem, was es tut, kommunizieren: Das geht vom Brief über den Onlinebanner bis hin zur Kleidung der Mitarbeitenden oder eben der Einrichtung des Eingangsbereichs. Genau diese letzteren Arten einer unbewussten Kommunikation sollte ein Unternehmen auf keinen Fall unterschätzen. Nein, Unternehmen sollten sogar anfangen, diese bewusst wahrzunehmen und aktiv damit zu spielen.

Quellen


Der Goldene Kreis – das Tor zur Kundenloyalität

Lesedauer: 5 MinutenHast du dich schon einmal gefragt, was ein Unternehmen erfolgreich macht? Sind es die tollen Produkte, eine sensationelle Dienstleistung, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis oder etwa charismatische Verkäufer*innen?

Ich behaupte: Weder noch, denn es ist etwas ganz anderes. Was das ist, wirst du im Verlaufe dieses Textes selber herausfinden.

Manipulation statt Loyalität

Gehen wir einen Schritt zurück und beantworten die vorhin gestellte Frage salopp mit: Ein Unternehmen ist erfolgreich, wenn es Gewinn macht. Wie aber kommt es zu diesem Gewinn?

Die allermeisten Unternehmen manipulieren ihre Kund*innen auf irgendeine Weise, damit sie oder er ein Produkt oder eine Dienstleistung kauft. Diese Manipulation kann sehr vielseitig sein, z. B. über Preis, Aktionen, Angst, Wünsche, Versprechen, Gruppendruck oder vermeintliche Innovationen, die eigentlich nur Neuerungen sind. Tatsache ist, dass Manipulationen letzten Endes zu Transaktionen führen. Diese Transaktionen sind aber nicht gleichzusetzen mit Loyalität oder Treue. Transaktionen durch Manipulation sind nur dann in Ordnung, wenn sie einmalig stattfinden und dadurch keine Stammkundschaft oder Kundenbindung aufgebaut werden soll.

Problematisch bei den Manipulationen ist, dass sie so gut funktionieren und deshalb zu unserem Alltag geworden sind. Und sind wir mal ehrlich: In den aller seltensten Fällen findet nur eine einzelne Transaktion zwischen Unternehmen und Kund*in statt. Es ist deshalb höchst fraglich, ob der Einsatz von Manipulationen den (kurzfristigen) Erfolg rechtfertigen.

Aber was ist die Alternative?

Der Goldene Kreis

Die Alternative nennt sich Goldener Kreis und nein, das ist kein exklusiver Club, sondern ein hilfreiches Modell für Unternehmen. Der Goldene Kreis oder eben Golden Circle basiert auf dem Goldenen Schnitt. Dieser kann auf vielen Gebieten angewendet werden; er liefert wiederholbare und voraussagbare Ergebnisse in Bereichen, in denen diese andernfalls möglicherweise dem Zufall oder Glück zugeschrieben würden. Der Goldene Kreis besteht aus drei ineinander liegenden, immer grösser werdenden Kreisen. Der äusserste Kreis steht für das Was, der mittlere für das Wie und der innerste Kreis für das Warum. Bildlich sieht das so aus:

Bild: Eigene Darstellung des Goldenen Kreises in Anlehnung an die Grafik von Simon Sinek. (Quelle: Simon Sinek. Frag immer erst: warum. Wie Topfirmen und Führungskräfte zum Erfolg inspirieren, 2019, S.39)

  • Was
    Jede Organisation, ob Unternehmen, Verein, Stiftung unsw. weiss, was sie tut. Das Was ist leicht zu identifizieren.
  • Wie
    Einige Unternehmen oder Individuen wissen, wie sie tun, was sie tun (= Alleinstellungsmerkmal). Das Wie wird eingesetzt, um zu erklären, wie verschieden und um wie viel ein Produkt oder eine Dienstleistung besser ist.
  • Warum
    Nur sehr wenige Menschen und Unternehmen können klar sagen, warum sie tun, was sie tun. Warum gibt es das Unternehmen, was ist das Ziel, der Beweggrund, der Glaube, die Überzeugung?

Die allermeisten Unternehmen und Individuen arbeiten genau nach diesem Schema: Was, Wie, Warum. Dabei sollte es genau umgekehrt sein: Alles bewegt sich von innen nach aussen, also Warum, Wie, Was. Warum ist das so? Ganz einfach: Wir Menschen kaufen grundsätzlich nicht das, was ein Unternehmen tut, sondern warum es etwas tut. Das Warum ist also quasi der Kaufgrund und das Was ist der Beweis für diesen Glauben.

Natürlich ist das Warum nicht der einzige Garant für Erfolg. Es ist jedoch der einzige Weg, um Erfolg langfristig zu sichern und ein besseres Zusammenspiel von Flexibilität und Innovation zu erreichen. In Anbetracht der stetig wachsenden Konkurrenz geht es nicht darum, sich als Unternehmer*in zu fragen «Was können wir tun, damit wir konkurrenzfähig bleiben?», sondern «Warum haben wir begonnen zu tun, was wir hauptsächlich tun und was können wir gerade jetzt in diesem Moment tun, um unseren ursprünglichen Zweck unter Einbezug aller Technologien und Marktchancen auch heute noch zu erfüllen?».

Das Warum als zentrales Element von Storytelling

Das Warum sollte die Basis für alle Aktivitäten eines Unternehmens sein. Sprich: Alles, was ein Unternehmen tut, muss auf diesem Grundstein aufgebaut sein. Wie ich vorher bereits erklärt habe, kaufen wir Menschen etwas, weil wir an dasselbe Glauben wie das Unternehmen und weil wir auch Teil dieser Community sein wollen. Als Kund*in wollen wir uns mit dem Unternehmen identifizieren können. Das erreicht ein Unternehmen nicht, indem es Hard Facts verkauft, sondern indem es Kund*innen emotional abholt. Und genau dazu braucht ein Unternehmen Storytelling. Je authentischer dieses Storytelling ist, desto besser. Mit authentisch meine ich, dass das Unternehmen tatsächlich alles glaubt, was es tut und sagt. Wenn wir uns also für eine Dienstleistung oder ein Produkt entscheiden müssen, dann wollen wir unserem Gefühl folgen und nicht anhand vieler Fakten die richtige Wahl treffen müssen.

Die Quintessenz

Wir bei PINKTANK haben erkannt, wie wichtig der Goldene Kreis und vor allem das Warum eines Unternehmens für gutes und glaubwürdiges Storytelling ist. Die Erarbeitung des Goldenen Kreises ist jedoch ein harter, anspruchsvoller Prozess, der viel Denkarbeit und Geduld kostet. Darum haben wir versucht, einen anderen Weg zu finden: In unseren Playful Workshops schaffen wir es, dass sich unsere Kund*innen spielerisch mit dem Thema auseinandersetzen. In erster Linie geht es darum, eine Story mitsamt Key Visual für ein Unternehmen zu erarbeiten. Diese beiden Elemente sollen den Kern des Unternehmens widerspiegeln. Während des Workshops und dem nachgängigen Prozess finden Unternehmen automatisch die Antworten auf die drei W-Fragen des Goldenen Kreises. Sie müssen diesen vorher nicht einmal gekannt haben.

Um nun auf die Anfangsfrage zurückzukommen, was ein Unternehmen erfolgreich macht: Es ist die eindeutig benennbare Vision eines Unternehmens, die aussagt, warum das Unternehmen überhaupt eine Daseinsberechtigung hat. Und es ist das unermüdliche Streben des Unternehmens, diese Vision zu verwirklichen. Auch wenn das bedeutet, nur einen Teil des Marktes bedienen zu können.

Quellen:

Sinek, S. (2019). Frag immer erst: warum. Wie Topfirmen und Führungskräfte zum Erfolg inspirieren. München: Redline.
Sinek, S. (2009). TedTalk: https://www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action?language=de

Spielkultur – der neutrale Lernprozess

Lesedauer: 5 Minuten

«Nobody is perfect» oder «sich irren ist menschlich». Unser Leben ist vollgepflastert mit Redewendungen und hin und wieder benutzen wir solche Weisheiten als Rechtfertigung für etwas, das schiefgelaufen ist. Die Fehlerkultur gehört zum Lebensprozess. Fragt sich aber: Kann die Fehlerkultur nicht durch etwas ersetzt werden, das eine neutrale – nicht negativ konnotierte – Ebene schafft?

Schon früh als Kind werden wir mit dem Fehler- und Lernprozess konfrontiert. Wenn wir laufen lernen, fallen wir beim ersten, zweiten, aber vielleicht auch beim dritten Versuch hin. Wir stehen immer wieder auf, fallen noch einmal hin und stehen schliesslich wieder auf. Wir versuchen es so lange, bis wir den Prozess des Laufens beherrschen. Indem wir Hinfallen machen wir «Fehler» und lernen mit jeder Wiederholung aus solchen. So funktioniert’s. Das Schöne an diesem Beispiel ist, dass das Kind nicht weiss, dass es einen Fehler begeht. Missbilligung von Mama und Papa kennt es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, zumindest nicht in der Form, wie wir sie später zu spüren bekommen. Denn spätestens, wenn Kinder ins Schulalter kommen, dann als junge Erwachsene einen Beruf ausüben (oder studieren) und schliesslich im Laufe des Erwachsenenlebens viele (Lebens-)Erfahrungen sammeln, stösst ein Individuum auf die ganz bewusste Fehlerkultur. Ein solcher Prozess prägt uns und unsere Persönlichkeit.

Das «Richtig oder Falsch»-Prinzip

Begehen wir in unserem Alltag Fehler, dann fallen wir im ersten Moment in eine Art Starre. Bei manchen tritt gar ein Schamgefühl ein, andere verspüren Angst. Machen wir Fehler, dann werden wir zu Schuldigen (natürlich kommt es auch immer auf den Härtegrad des Fehlers an). Gerade im Arbeitsalltag ist «Fehler machen» für viele immer noch ein persönliches Tabu. Es gilt in den Köpfen: «Ich will meinem Arbeitgeber* beweisen, dass ich diese Stelle verdient habe», «Ich vermeide Fehler, so gut es nur geht», «Ich will perfekte Arbeit leisten» (so stand es nämlich im Inserat: perfektes Deutsch – das muss ich erfüllen). Also: Fehler sind selbstredend keine zugelassen, es existiert nur richtig oder falsch.

Mittlerweile verwandeln viele Unternehmen ihre Organisationskultur in eine produktive Fehler- oder Lernkultur (siehe Definitionen in Box). Ich benutze in diesem Beitrag beide Kulturen als eine, zumal sie unter dem Strich das gleiche Ziel verfolgen: das Enttabuisieren von «Fehler machen» und eine neue Form von Akzeptanz schaffen. Zum Spektrum der Fehler- und Lernkultur wird «Bestrafung» ersatzlos gestrichen und eine Art Belehrung oder Fehlerfreundlichkeit eingeführt. Das Unternehmen schafft gewisse Rahmenbedingungen, die den Mitarbeitenden ein Lernen aus Fehlern ermöglichen sollen. Das wiederum soll zum Ziel haben, dass die Mitarbeitenden besseren Leistungen erbringen.

Solche Fehler- und Lernkulturen sind besonders erwünscht und erhalten auch viel Anerkennung. Eines lässt mich aber an der Fehler- und Lernkultur zweifeln: Unter dem Strich funktionieren sie doch immer noch nach dem «Richtig oder Falsch»-Prinzip? Man begeht einen Fehler, wird zwar nicht sanktioniert, erhält aber ein Feedback ganz nach den vereinbarten Rahmenbedingungen. Folglich haben wir trotzdem etwas falsch gemacht. Der eigentliche Glücksmoment und die Meriten bleiben aus.

Spielkultur als Ersatz für Fehler- und Lernkultur

Anders sähe es aus, wenn man eine neue Kultur schaffen würde. Die des Spielens. Denn die Spielkultur vereint sowohl Fehler- als auch Lernkultur und schafft eine neue neutrale Perspektive ganz ohne Muss-Akte und Angsthaltung.

Wie ich bereits oben erwähnt habe, wissen Kleinkinder nicht, wenn sie einen Fehler begehen. Sie sind quasi Profis im Lernen; in ihren Köpfen existiert noch keine Bewertung nach richtig oder falsch. Sie nutzen sogar ihre Misstritte, um beim nächsten Mal nicht noch mal den gleichen Fehler zu machen. Dabei fehlt ihnen etwas nie: der Glücksmoment. Und dieses Gefühl soll doch auch in unser Erwachsenenleben, ergo in ein Unternehmen, transportieren werden. Glück statt Angst, nicht?

Es kristallisieren sich beim Spielen nämlich vielerlei Vorteile gegenüber der Fehler- und Lernkultur heraus: Erstens existieren in einem Spiel keine Konkurrenzkämpfe, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. In der Spielkultur geht es nie ums Gewinnen oder Verlieren. Sie schafft eher eine Art Plattform für ein – sagen wir mal – Learning. Zweitens ist die Spielkultur keine Solokünstlerin. Nein. Sie funktioniert nur im Team, deshalb ist sie auch so wertvoll. Denn dadurch, dass es alle braucht, entsteht auch das gemeinsame Lernen. Bei einem Fauxpas gibts weder einen Schuldigen, noch wird «Schuld» überhaupt ein Thema sein. Das Hauptziel der Spielkultur ist das Schaffen von neuen Lösungswegen, gemeinsam. Da kanns passieren, dass man mal falsch abbiegt. Aber bekanntlich führen alle Wege nach Rom und das behält sich die Spielkultur ausdrücklich vor. Drittens, unmittelbar mit Letzterem verbunden, werden in einem Spiel Fehler explizit erwünscht. Klingt paradox, aber Studien konnten es sogar belegen: wenn Mitarbeitende offen über ihre Misstritte oder Schwächen sprechen, dann stärkt das ihren Ehrgeiz, es beim nächsten Mal besser zu machen oder einen anderen Weg zu beschreiten. Von Angsthaltung ist keine Rede mehr.

Ich erlebe die Spielkultur so, als wäre sie ein Teil meines «vie quotidienne». Wir flippern, kreieren Geschichten aus Kinderbüchern oder erfinden neue Spiele. Ja, das ist die Spielkultur: Wenn du festsitzt, nicht mehr weiterkommst und am Ende deine Leistungen trotzdem stimmen müssen, würfelst du dich einfach ins Glück. Was zählt, ist, dass du durchs Spiel Blockaden jeder Art lösen kannst. Und (!) du bist natürlich nie allein. Deine Unterstützer* sind gleichzeitig deine Teamkollegen*.

Die Spielkultur verändert

Ich war in meiner zehnjährigen beruflichen Laufbahn einige Male mit Fehlern konfrontiert. Jederzeit stand ich in Alarmbereitschaft, weil ich eine grosse Angsthaltung gegenüber dem «Fehler machen» hatte. Dieses Laster habe ich jahrelang mit mir herumgetragen. So lange bis ich das erste Mal mit der Spielkultur in Kontakt kam. Erst dann wurde mir bewusst, wie viel «Fehler-Angst-Gewicht» ich auf meinen Schultern trug und wie stark es meine Leistungen beeinträchtigte. Durch die Spielkultur konnte ich viel von diesem Gewicht abladen und das in nur sehr kurzer Zeit. Also, wieso unser Mindset nicht auf einen neutralen Lernprozess bringen, damit wir künftig mehr Glücksmomente empfinden?

Ausserdem, nur so zum Abschliessen: Das Wort Spielkultur ist nicht nur neutral in seiner Bedeutung, nein, es schafft einen neutralen Boden für alle!

Lernkultur 
Gesamtheit aller Rahmenbedingungen einer Organisation und ihrer Mitglieder 
in Bezug auf die Förderung und Pflege von Lernen im Unternehmen. 
Die Lernkultur umfasst sowohl förderliche als auch hemmende Faktoren des Lernens. 


Fehlerkultur 
Organisationskultur, die es Mitarbeitenden erlaubt, offen und frei von Angst 
vor Sanktionen oder Diskreditierung über Fehler zu sprechen. Mit der Fehlerkultur 
beschränken sich Sanktionen lediglich auf die Gravierendsten; 
gleichzeitig soll die Fehlerkultur ein produktives Lernen aus Fehlern ermöglichen.

Kunst am Bau / im Raum: DingsDA

Lesedauer: 3 Minuten

Was ist DingsDA?

Als Kind hatten wir doch alle ein Maskottchen, ein Lieblingsplüschtier, ein Symbol. Damit wir dieses Gefühl, diese Erinnerung, wieder erleben, arbeiten wir über Kunst im Raum / am Bau.

Mit DingsDA schaffen wir Objekte, die einerseits funktionell sind und andererseits eine Geschichte erzählen.

Wieso DingsDA?

Ein richtiges Wording ist wichtig. Genauso wichtig ist ein visuelles Wiedererkennungsmerkmal deines Unternehmens. Schau das Ding DA!

Nachhaltige Kommunikation ist Kunst und diese so zu vermitteln, dass sie verstanden wird. DingsDA schafft eine einzigartige und nachhaltige Kommunikation für dein Unternehmen und schmückt die Corporate DNA mit einem einzigartigen Objekt.

Zu den detaillierten Projektbeschrieben

Individualisierung und Wir-Kultur – Ein Gegensatz?

Lesedauer: 4 MinutenMit der Digitalisierung und der zunehmenden Vernetzung unserer heutigen Zeit ist auch die Individualisierung, insbesondere in den westlichen Gesellschaften, vorangeschritten. Dank weitgehender sozialer Sicherheit und den damit verbesserten Lebensstandards können wir uns vermehrt damit beschäftigen, was wir im Leben erreichen und wie wir uns selbst verwirklichen wollen.

Ich dachte mir: «Das klingt doch fast zu schön, um wahr zu sein.» und habe mich deswegen genauer mit der Veränderung der Gesellschaft auseinandergesetzt.

Freiheit ohne Ende

Wer in die unendlichen Weiten des Internet eintaucht, reiht sich als ein weiteres Pseudonym ein. Diese Anonymität kann Freiheit bedeuten; die Freiheit haben, zu sein, wer auch immer man sein will. Auf der anderen Seite bringt das auch Unsicherheit mit sich.

Vieles, dass wir online antreffen, ist fake oder kratzt nur an der Oberfläche. Die Menschen hinter den Pseudonymen lernen wir gar nie wirklich kennen. Es sind flüchtige Bekanntschaften, die uns vermeintliche Intimität vorspielen. Wir sehnen uns nach immer mehr Likes, immer mehr Anerkennung. Bleibt sie aus, fallen wir in ein Loch. Die vorgegaukelte Intimität ist genauso schnell weg, wie sie gekommen ist. Was bleibt, ist Einsamkeit. Dabei ist Einsamkeit nicht zu verwechseln mit Alleinsein. Es ist eher das genaue Gegenteil; wer einsam ist, ist quasi unfähig «ganz allein, mit sich selbst» zu sein.

Natürlich, oberflächlich betrachtet, beschreiben Einsamkeit und Alleinsein die gleiche Situation. Der Unterschied liegt darin, welche Einstellung wir dazu einnehmen:

  • Alleinsein: «Ich bin allein und fühle mich wohl, denn ich brauche niemanden anderes, um glücklich zu sein. Ich bin zufrieden einfach nur mit mir selbst.»
  • Einsamkeit: «Ich fühle mich einsam, weil niemand da ist. Ich brauche andere Menschen, damit ich mich gut fühle. Glücklich sein kann ich nur durch andere Menschen. Ich allein genüge mir nicht.»

Ich muss also feststellen, dass die zunehmende Individualisierung nicht das Nonplusultra ist: Obwohl wir immer mehr so sein können, wie wir gerne möchten, viele Freiheiten haben und uns unendlich vernetzen können, geht es uns im Grunde genommen nicht besser. Denn wir leben oft mehr im Schein als im Sein und es ist leicht, sich in dieser Scheinwelt zu verlieren.

Gemeinsam gegen die Einsamkeit

Blicken wir auf unsere Vergangenheit zurück, sehen wir, dass wir seit jeher den Zusammenhalt, das «Wir» suchen. Was man natürlich nicht ausser Acht lassen darf, ist, dass es früher in vielen Fällen überlebensnotwendig war, einer Gruppe anzugehören. Heute sieht es etwas anders aus und trotzdem können wir unsere Wurzeln nicht leugnen: Wir suchen immer Nähe zu anderen Menschen, wollen uns zugehörig fühlen und wahrgenommen werden. Deswegen suchen wir trotz oder gerade wegen der hochindividualisierten Welt wieder das Wir-Gefühl, einfach in einer anderen Form.

Waren es früher Gruppen, Clans, Sippen und Stämme, so haben wir heute neuartige Gemeinschaften:

  • Co-Living: Wohngemeinschaft bestehend aus mehreren Individuen, die Verantwortung übernehmen und in sozialer Vielfalt leben wollen.
  • Co-Working: Kleine Startups, Freelancer oder digitale Nomaden arbeiten in den gleichen Räumlichkeiten und profitieren gegenseitig vom Know-how des anderen.
  • Co-Mobility: Statt Transportmittel wie Auto, Fahrrad usw. zu besitzen, teilt man sich diese mit anderen Menschen.

Es geht darum, seine individuellen Potenziale zu Gunsten der Gesellschaft einzusetzen, im Gegenzug aber auch in irgendeiner Weise davon zu profitieren.

Um auf den Anfang des Blogs zurückzukommen: Selbst in den Untiefen des Internets, wo es zusehends um Selbstoptimierung und Profitmaximierung geht (bestes Beispiel: Soziale Medien), gibt es einen leisen Trend hin zur Rückbesinnung: Vor allem jungen Kreativen geht es je länger je mehr darum, das Netz als einen Ort für eine neue, demokratischere und partizipativere Form der Kreativität zu etablieren; weg vom Kapitalismus hin zum «Wir». Dabei steht auch hier die Zugehörigkeit im Mittelpunkt.

Teamwork stärkt das Wir-Gefühl

Das hat nicht nur Auswirkungen aufs persönliche Leben, sondern greift auch in den Berufsalltag ein. Mit dem Aufkommen der Künstlichen Intelligenz werden immer mehr Arbeitsplätze von Computern übernommen. Das scheint erstmal keine gute Wendung zu sein, vor allem für die Menschen, die dadurch ihren Job verlieren. Sieht man es von einer etwas anderen Perspektive, bringt das durchaus auch Gutes mit sich: Wir können, ja, müssen uns sogar wieder auf unsere einzigartigen Fähigkeiten als Menschen konzentrieren, denn diese sind bislang ausschliesslich uns Menschen vorbehalten und die KI kann nicht mit uns mithalten.  Solche Eigenschaften sind beispielsweise das Lösen von komplexen Herausforderungen oder das kritische Denken. Diese Fähigkeiten allein sind zwar schon viel, aber nicht alles: Arbeiten wir zusammen in einem Team können wir erst ihr ganzes Potenzial ausschöpfen. Gemeinsam können wir Lösungen finden zu scheinbar unlösbaren Problemen. Durch diese Zusammenarbeit im Team wiederum fühlen wir uns zugehörig und erhalten Anerkennung von den anderen Teammitgliedern, wir werden «gesehen». Das stärkt unser Wir-Gefühl.

Better together

Was habe ich nun daraus gelernt? Individualisierung ist nicht per se gut oder schlecht. Wir Menschen müssen einfach noch besser lernen, wie wir mit der neu gewonnenen Freiheit umgehen sollen. Dabei dürfen wir vor lauter Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmung nicht aus den Augen verlieren, dass wir Menschen einander brauchen und gemeinsam viel mehr erreichen können. Individualisierung und Wir-Kultur schliessen sich nicht aus, sondern können sinnvoll koexistieren.

Quellen und weiterführende Links: