Inspirationen sind Ideen-Booster

Lesedauer: 4 Minuten

Eine Umfrage in meinem Bekanntenkreis zeigte, dass viele beim Wort Inspiration an Daniel Düsentrieb und seine Glühbirne «das Helferlein» denken. Viele sagen auch, dass es sich nicht beeinflussen lässt, ob wir inspiriert werden oder nicht. Man kann einfach nur darauf warten, bis zufällig irgendwann eine Idee kommt. Diese passive Haltung gegenüber Inspirationen kann ich nicht verstehen. Dabei ist es doch so einfach.

Die oben genannte Er-«wart»-ungshaltung ist wohl der Grund, weshalb sich die Businesswelt bisher meiner Meinung nach noch zu wenig mit dem Wort «Inspiration» und dessen bewusster Nutzung auseinandergesetzt hat. Das erstaunt mich, denn ich arbeite bereits seit der Entwicklung meiner XINIX-Methode im Jahr 2010 bewusst mit Inspirationen und bin von deren Wirkung und dessen Nutzen immer wieder aufs Neue fasziniert. Mittlerweile verwende ich Inspirationen so bewusst und gezielt, dass die Ideen- und Lösungsfindung kinderleicht ist. Aber was tue ich eigentlich genau?

Inspirationen beeinflussen unser Handeln

Im Privaten lassen wir uns täglich von unterschiedlichen Dingen inspirieren. Hier einige Beispiele:

  • Beim Zuschauen einer Kochsendung
    Dabei läuft uns das Wasser im Munde zusammen und im Gehirn werden automatisch die fünf Sinne aktiviert. Diese Inspiration nutzen wir danach beim Kochen, um eigene fantastische Menüs zu kreieren.
  • Wenn wir uns eine Modeschau ansehen
    Das Model inspiriert uns durch ihr Outfit, ihren Look und ihre Schönheit. Wir haben das Gefühl, dass ihre Kleider auch an uns super aussehen würden. Beim nächsten Kleiderkauf greifen wir unbewusst zu ähnlichen Mustern und Farben.
  • Beim Spaziergang durch einen wunderbaren Garten
    Die farbigen Blumen, Heckenfiguren, Gerüche, Formen und Farben vermitteln uns ein freudiges Gefühl und regen unsere fünf Sinne an. Dieses Gefühl wird unbewusst wieder geweckt, wenn wir später in einem Gartencenter sind und beeinflusst unseren Einkauf entsprechend.

Doch wie übertragen wir die gezielte Nutzung von Inspirationen in unserer Arbeitswelt? Schliesslich findet man am Arbeitsplatz keine Blumenwiesen oder spezielle Kleider vor. Der eigene Arbeitsplatz ist eher eintönig und karg, nicht wahr?

Impulse von aussen

Ganz im Gegenteil. Die Arbeitswelt ist voll von Inspirationen. Um diese nutzen zu können, gehe ich jeweils wie folgt vor: Ich lasse meine Arbeit bewusst für einen Moment auf der Seite und gehe gezielt auf die Suche nach Inspirationen (siehe Box). Wenn ich also bei einem zu lösenden Thema bzw. bei einer Herausforderung nicht weiterkomme, schaue ich vom Blatt oder vom Bildschirm weg und nehme meine Umgebung ganz bewusst wahr. Dabei fokussiere ich mich eben bewusst auf meine ganze Umgebung: Was befindet sich in meinem Raum? Welche Einrichtungsgegenstände nehme ich wahr? Man kann es «sich ablenken» nennen. Ich nenne es «Inspirationen nutzen».

Neurobiologisch betrachtet entwickeln sich kreative Ideen, während das Gehirn bestehendes Wissen und Impulse von aussen (eben Inspirationen) neu kombiniert. Inspirationen zielen auf die rechte, kreative Hirnhälfte. Diese hilft nun bei der Suche nach einer Lösung. Zudem rücken die Eigenschaften der linken Hirnhälfte, nämlich das kritische Denken und die «Nein, geht nicht»-Einstellung in den Hintergrund.

Wird die Aufmerksamkeit bewusst auf etwas anderes, eben zum Beispiel auf die Umgebung gelenkt, entwickelt das Hirn neue kreative Kapazitäten. Und plötzlich gelingt es, eine bestimmte Inspiration mit dem Thema zu verknüpfen und so zu einer Idee zu kommen. Die Herausforderung, die man zu lösen hat, ist aber immer noch im Hinterkopf. Durch Inspirationen tricksen wir unseren Verstand aus und durchbrechen unser «Gärtlidenken». Wir sensibilisieren unsere fünf Sinne und lassen letzten Endes alte Muster los.

Vom Elefanten inspiriert

Um den gezielten Umgang mit Inspirationen zu verdeutlichen, erzähle ich hier die Geschichte, wie ich im Jahr 2000 zum Firmennamen meiner Agentur kam. Ich wusste, dass der Name «pink» enthalten sein musste, hatte aber einfach keine zündende Idee für eine originelle Wortkombination. Je mehr ich darüber nachdachte, umso schwieriger wurde es. Um inspiriert zu werden, blätterte ich bewusst in einer Zeitschrift. Ich sagte mir: «Hier findest du die gewünschte Lösung.» Nach und nach schwirrten Wortkombinationen wie Pink Mercedes, Pink Beauty, Pink Eukalyptus, Pink Women, Pink Punk, Pink Wolke in meinem Kopf herum. Schliesslich sah ich in der Zeitschrift ein Inserat, welches für Zigaretten mit dem Namen „Pink Elephant“ warb. Meine Gedanken wiederholten diesen Markennamen immer und immer wieder. Ich hatte nun Bilder mit einem pinken Elefanten im Kopf, der die Werbebranche umkrempelt und für Aufmerksamkeit und Neugierde sorgt. Und so war mein Firmenname «p.i.n.k.elefant» geboren.

Die Zeitschrift hat also meine Glühbirne, mein Helferlein, bewusst aktiviert. Dieses Beispiel zeigt, dass überall Inspirationen zu finden sind, ob am Arbeitsplatz oder sonst wo. Man muss einfach bewusst «über den Tellerrand» blicken, oder anders formuliert: «think outside the box».

 

Quelle
  • Magazin «Direct point», Ausgabe «Wecke deine Kreativität!» (Juni 2020)